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Christian Meyn-Schwarze – ein ganz aktiver Papa, Leih-Opa und Hildener

Liebe Leser!

Seit 2012 bereichert Christian Meyn-Schwarze das Angebot der Stadtbücherei mit seiner „Papa-Zeit“. Auch mit seinem „Mobilen Mitmachzirkus Hilden“ hat er schon oft bei Festen das Angebot für Kinder und deren Eltern bunter gestaltet. Als aktiver Papa sammelt er Bücher rund ums Papa-Sein. Heute erfahren wir mehr über den Hildener Papa, Artist und Leih-Opa Christian Meyn-Schwarze.

Herr Meyn-Schwarze, Sie sind in Hilden sehr bekannt. Dabei sind Sie gar nicht aus Hilden. Wo genau kommen sie her? Und wie ist ihr (beruflicher) Werdegang?

Bekannt? (lacht) – na, ich will mal sagen ein Hildener D-Promi. Ich bin ein Nordlicht, geboren vor über sechzig Jahren in Elmshorn bei Hamburg.

Meine ersten beruflichen Erfahrungen habe ich neben der Hildener Reformationskirche im früheren Reformhaus gemacht, heute ist im hinteren Teil eine „Kleine Olive“. Dort habe ich gesunde Sachen verkauft. Bevor ich dann Papa wurde, habe ich viel für die evangelische Kirche in einem Verlag und in einer Pressestelle gearbeitet.

Sie bezeichnen sich selbst als aktiven Papa, sind damals, als ihre zwei Töchter klein waren, in Erziehungsurlaub – heute Elternzeit – gegangen. Damals vor 25 Jahren sicherlich ein ungewöhnlicher Schritt. Würden Sie das mit ihren Erfahrungswerten heute wieder so machen?

Jetzt ganz spontan und vorschnell „Ja – natürlich“ zu sagen, wäre sicherlich eher aus dem Bauch heraus. Es gab ein paar gute Gründe, die damals dafür sprachen, einen Rollentausch zu probieren: Ich bin spät Papa, mit 38, geworden und hatte bereits 20 Jahre Vollzeit gearbeitet und in die Rente eingezahlt. Wir hatten eine günstige große Mietwohnung, in der auch unsere Aupair-Mädchen wohnen konnten. Meine Frau hatte einen besser bezahlten Job, ich konnte nebenbei freiberuflich arbeiten und mich vor 16 Jahren selbstständig machen. So konnte ich neben der Kinderbegleitung immer auch arbeiten – hatte also beides: die Erlebnisse der Kindheit und eine berufliche Selbstverwirklichung.

Kinderbücherei Christian Meyn Schwarze wird einen Papa Jungen Vormittag veranstalten mit lesen und Murmelbahn basteln

Kinderbücherei
Christian Meyn Schwarze wird einen Papa Jungen Vormittag veranstalten mit lesen und Murmelbahn basteln

Sehr gerne bin ich einer der „neuen präsenten Väter“, der seit 25 Jahren das Familienmodell von Teilen der gemeinsamen Aufgaben praktiziert. Die Freude am Vatersein gebe ich sehr gerne an die heutigen Väter weiter, die meine Veranstaltungen besuchen.

In dieser Zeit haben Sie begonnen Bücher zu sammeln, die sich mit dem Papa im Buch beschäftigen. Aus ein paar Büchern wurden immer mehr. Wie viele sind es mittlerweile?

Jetzt lachen Sie nicht, inzwischen habe ich eine eigene kleine Bibliothek mit 600 Papa- und 30 Opa-Bücher. Von Bilderbüchern bis zu Fachbüchern, vom ersten Comic von „Vater und Sohn“ bis zum Klassiker Pinocchio oder einer ganz alten Ausgabe von Pippi auf den Taka Tuka Inseln.

Was genau hat es mit der Papa-Liste, Lesetipps für Väter und Großväter, auf sich? Wie komme ich als interessierte Bibliothek (Stichwort: Bestandsaufbau) oder Privatperson an diese Auswahlliste?

Über diese 600 Bücher mit und über Väter und Großväter habe ich Inhaltsangaben und meine Kommentare geschrieben. Es gibt eine Liste der lieferbaren Bücher, diese wird ständig aktualisiert und ich maile die gerne zu, es sind inzwischen 160 Seiten zum Selberausdrucken geworden.

Kontakt: meynschwarze(at)t-online.de

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Nicht nur Bücher liegen Ihnen am Herzen, sondern auch ihr „Mobiler Mitmachzirkus Hilden“. Ich weiß, dass es eine kleine Anekdote mit einem Buch aus der Stadtbücherei gibt. Erzählen sie uns diese Geschichte?

Im Osterurlaub vor zwanzig Jahren waren wir bei einer befreundeten Familie in Frankreich zu Gast. Die sechs Kinder spielten im Garten und fingen an, über Holzlatten zu balancieren und Sachen in die Luft zu werfen. Daraus haben wir dann eine kleine selbstgemachte Zirkusaufführung entwickelt. Wir waren sechs Kinder, vier Erwachsene, zwei Hunde und hatten bei der Premiere eine Zuschauerin. Das hat mir so viel Freude bereitet, dass ich in die Hildener Stadtbücherei gegangen bin und nach einem Mitmachbuch „Zirkus“ gesucht habe. Ausgeliehen habe ich dann das Buch „Zirkus KONFETTI“ und dieses Buch gab dann einem Mitmachangebot für ein paar Jahre seinen Namen.

Nun sortiert ja eine Bücherei alte Schätzchen einmal aus und ich habe dann dieses Buch geschenkt bekommen, es hat einen Ehrenplatz bei meinen Zirkusbüchern.

Mittlerweile gibt es in vier Bibliotheken die „Papa-Zeit“. Was genau ist das, was passiert da?

Papa-Zeit

Die Papa-Zeit wurde vor fast fünf Jahren hier in Hilden erfunden. Den Mitarbeiterinnen der Kinderabteilung fiel auf, dass samstags immer mehr Väter und Großväter kommen. Nun war bekannt, dass ich seit vielen Jahren mit Kindern spiele und neben dem Zirkus auch andere Dinge mache: Kullerbahnen bastele, Indianerdörfer baue, mit Piraten auf Schatzsuche gehe. Nun war die Idee, aus einem Papa-Buch oder einer Papa-Geschichte ein Erlebnis zu machen.

Wir entwickelten ein Veranstaltungskonzept, das eine Mischung aus Vorlesen, Basteln und Erleben bietet, nur für Väter und andere Männer und Kinder zwischen 4 und 8. Und zwar samstagsvormittags für zwei Stunden, damit die Mama einkaufen oder kochen konnte oder die kinderfreie Zeit einmal für sich nutzen kann. Inzwischen reise ich auch nach Viersen, Hattingen und Gevelsberg und gestalte 20 solche Papa-Zeiten im Jahr, erfunden hier in der Kinderbücherei in Hilden.

Sie haben vorhin erzählt, dass Sie sich als Vorreiter der neuen Väter sehen, gilt das auch als Vorleser und Lesepate?

Genau, und ich möchte aufmerksam machen, auf ein gesamtgesellschaftliches Problem. Uns fehlen Männer in der Begleitung der Kinder in den ersten zehn Lebensjahren, in der sich die Mädchen und Jungen entscheidend entwickeln.

So gelten Jungs seit vielen Jahren als Bildungsverlierer, dagegen möchte ich einen bescheidenen Beitrag leisten. Wenn die Väter und Großväter sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sind, dann lesen sie selber und lesen auch Kinder vor.

Denn das Vorurteil „Lesen ist weiblich“ stimmt ja nicht, nur muss es auch praktiziert werden. So sind meine Papa-Zeiten auch immer ein Projekt zur Leseförderung, besonders zur Förderung der Jungs. Ich erhoffe mir, dass die Freude am Selberlesen und Vorlesen dann auch auf die Jungs überspringt.

Als Vorlesepate lese ich seit vielen Jahren jedes Jahr im November im Kindergarten „Rappelkiste“ vor, um zu zeigen, dass auch Männer vorlesen können.

Seit neuestem sind Sie „Leih-Opa“. Eine ganz neue Erfahrung, oder? Wie sind Sie dazu gekommen?

Hatte ich schon erzählt, dass ich seit 25 Jahren mit Kindern spiele und mir das große Freude bereitet? Und meine Töchter noch ein paar Jahre brauchen, um eine Familie zu gründen? Auf der Suche nach neuen Kindern, mit denen ich spielen kann, kam das Angebot der Stadt Hilden gerade recht, die eine Ausbildung zu Leihgroßeltern anbot.

Ich besuchte den Einführungskurs und wurde Hildens erster Leihopa. Das große Glück mit meiner eigenen Familie habe ich jetzt auch mit meiner anvertrauten Familie. Nach 20 Jahren wiederholt sich vieles: der Fahrdienst zum Training, die Begleitung beim Vorspiel in der Musikschule, das Fahrradtraining in der Schule, der Besuch von Theatervorstellungen und das abendliche Vorlesen, natürlich eine Papa/Opa-Geschichte – oder was ist Meister Eder für den Pumuckl?

Herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen! Wir wünschen weiterhin viel Freude bei Ihren zahlreichen Aktivitäten!

Beste Grüße

Nadine Reinhold

 

 

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Nacht der Bibliotheken 2015: Der „Mobile Mitmachzirkus Hilden“ stellt sich vor

Liebe Leser,

alle zwei Jahre laden die Bibliotheken in NRW zu einer „Nacht der Bibliotheken“ ein. Auch die Hildener Stadtbücherei beteiligt sich traditionell an diesen Veranstaltungen und plant jeweils thematische Großevents für die gesamte Familie. Am Freitag, 6. März 2015 dreht sich von 19.00 bis 22.00 Uhr alles um „e-Motionen“. Mit dabei ist auch Christian Meyn-Schwarze, der Initiator des „Mobilen Mitmachzirkus‘ Hilden“. Lest im Folgenden unser kleines Interview mit ihm:

Kinderbücherei

  • „Ich mache bei der Nacht der Bibliotheken mit, weil …“
    … ich seit 25 Jahren mit der Hildener Stadtbücherei befreundet bin und schon so manche erfüllte Stunde dort mit eigenen oder jetzt anvertrauten Kindern erlebt habe.
  • „Meine schönste Bibliotheks-Erinnerung ist …“ 
    … die Gespensternacht, die ich vor vielen Jahren gemeinsam mit meinen eigenen Kindern erleben durfte. Damals war das heutige Gebäude gerade frisch eingeweiht. Die damaligen Mitarbeiterinnen der Kinderbibliothek, Frau Pautsch und Frau Naplava, boten Lesenächte an. An einem Abend hatte Herr Pautsch unten im leeren Foyer sein Schlagzeug aufgebaut und während oben von Geistern und Gespenstern vorgelesen wurde, erklangen unten unheimliche Geräusche, die mit den Schlagzeugbecken leise und laut erzeugt wurden. Unheimlich, gespenstig, unvergessen …
    Und ein zweites für mich prägendes Erlebnis gibt es: Vor 18 Jahren haben meine Kinder im Osterurlaub spontan eine kleine Zirkusaufführung einstudiert. Das hat mir damals so viel Spaß gemacht, dass ich in meine Hildener Stadtbücherei gegangen bin, um ein Anleitungsbuch zu suchen, wie man mit Kindern selber Zirkus spielen kann. Mein allererstes Zirkusbuch mit der Geschichte der alten Seiltänzerin „Frau Vitali“ hat vor 18 Jahren meinen heutigen Mitmachzirkus mitgeprägt, ich habe das Originalbuch später von meiner Bibliothekarin geschenkt bekommen.
  • „Mit dem Motto „eMotion“ verbinde ich …“
    … ich bin ein älterer Mann, der die moderne technische Entwicklung nicht so gerne mitmacht, ich mag noch das Buch, den Ball, die Schere, den Kleber.
    Das kleine „e“ steht für mich für „echte“, das „M“ für Momente“, das „o“ für das Wort „ohne“, das „t“ möchte ich groß schreiben zu „Technik“, das kleine „i“ für „intensiv“ das „o“ für „oder“ und das „n“ für „nachhaltig“ erleben.
    Also noch ein Buch anfassen, mit den Finger eine Seite umblättern, das Papier spüren, in die Geschichte eintauchen, die Gedanken fließen lassen, die Emotionen zulassen können – vielleicht sogar mit anderen zusammen spüren, erleben, spielen – einen Gedanken der Autorin oder des Autors übernehmen und in eigene Gedanken umwandeln. Oder zu gemeinsamen Erlebnissen kommen: nach einer Indianergeschichte ein Tipi bauen, nach einer Zirkusgeschichte selber Kunststücke üben, nach einem Bastelbuch gemeinsam mit den Kindern eine Dekoration gestalten.
  • „Bewegung ist für mich …“
    … das Tor zum Lernen. Durch die Links-Rechts-Koordination, die wir beim Jonglieren fördern, vernetzen wir die beiden Gehirnhälften. Wir denken, dass alle Menschen, die geistig arbeiten, also in der Schule, im Studium, im Beruf oder auch Zuhause, regelmäßig jonglieren sollten. Denn so lautet eine alte Schulweisheit „wer jeden Tag zehn Minuten jongliert – lernt leichter“.
  • „ Ich beteilige mich an der Nacht der Bibliotheken mit …“
    … einem Jonglierkurs. Gemeinsam mit meiner Kollegin möchte ich zu jeder vollen Stunde einen 20minütigen Jonglierkurs anbieten. Wir zeigen, wie wir mit zwei Händen drei Gegenstände fliegen lassen können, ohne dass etwas auf den Boden fällt. Wir bringen Jongliertücher, Bälle und Keulen mit. Wer mag, kann solange üben, bis drei Gegenstände flüssig bewegt werden. Und wer zuhause weiter üben möchte, kann für wenige Euros gleich Jongliergeräte in unserem kleinen Mini-Zirkus-Laden kaufen.

 

Weitere Informationen über Christian Meyn-Schwarze und den „Mobilen Mitmachzirkus Hilden“ findet Ihr hier: www.mitmachzirkus-hilden.de

Wenn Ihr wissen wollt, wie es aussieht wenn wir jonglieren, schaut mal hier.

 

Beste Grüße
Claudia Büchel