Archiv der Kategorie: Wandern

Auge in Auge mit dem Baum – Panarbora

Liebe Leser,

hoch hinaus ging es bei mir vor einigen Tagen, als ich den erst 2015 neu eröffneten Naturerlebnispark „Panarbora“ besuchte. Für alle, die in den Sommerferien daheim bleiben, ist das wirklich einen Tagesausflug wert! Der Park liegt in Waldbröl im Rhein-Sieg-Kreis, nicht weit von Köln.

Für Panarbora braucht man viel Zeit und Muße, er ist für Groß und Klein sehenswert und hat einige Attraktionen. Bereits am Eingang stand ich staunend vor dem großen Aussichtsturm, der sicherlich das Highlight des Parks ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Er ist barrierefrei, und das auf faszinierende Art: Nicht nur, dass man aufgrund der minimalen Steigung überhaupt nicht merkt, dass es immer höher geht, es sieht auch spektakulär aus. Der Anblick nach innen und nach außen ist wirklich klasse und – eh man sich versieht – ist man schon oben auf dem insgesamt 40 Meter hohen Aussichtsturm. Und Aussicht hat man da wirklich weit! 🙂

Direkt an den Aussichtsturm schließt sich ein Baumwipfelpfad an. Mit Hilfe von sechs interaktiven Lern- und Erlebnis-Stationen erfährt man allerhand über die Natur des Bergischen Waldes. Der Baumwipfelpfad nennt sich so, weil man über einen Holzsteg quasi auf „Wipfelhöhe“ spazieren gehen kann. Ich hatte das Gefühl, dass jedes Blättchen an den Bäumen für die Besucher „blank geputzt“ war, so sauber und ordentlich sah der Wald aus!

Darüber hinaus gibt es noch einen Sinnes-Wanderweg. Dort soll man z.B. auf nackten Füßen gehen, um die verschiedenen Bodenarten über den Tastsinn zu spüren. Verschiedene Klanginstallationen sind dort aufgestellt und am Anfang – oder am Ende – (je nachdem, woher man kommt) gibt es einen Duftgarten, wo man allerlei Kräuter und Gewürze „erschnuppern“ kann.

Außerdem bin ich noch durch den „Heckenirrgarten“ gelaufen. Allerdings ist da noch gute Sicht, denn die Hecken sind noch nicht so hoch gewachsen 😉

Falls die Kleinsten sich anfangen zu langweilen, gibt es auch einen Abenteuer-Spielplatz mit Wasserspielen.

Tipp: Ein Besuch in dem auf dem Gelände befindlichen Restaurant lohnt sich sehr. Es gibt dort tolle Gerichte: Neben dem „üblichen“ Menu kann man auch eine Mahlzeit aus asiatischer, südamerikanischer oder afrikanischer Küche wählen (Speiseplan siehe Homepage).

Man kann sogar in „Baumhäusern“ übernachten. Über alle Möglichkeiten informiert die offizielle Homepage.

Der Betreiber des Geländes ist das Deutsche Jugendherbergswerk Landesverband Rheinland e. V.

 

Beste Grüße,

Sonja Tewes

Eine Wanderung der besonderen Art

 

Liebe Leser,

wollt Ihr gerne die Ruhe entdecken, den oft zu hektischen Alltag hinter Euch lassen, entschleunigen und innen halten? Dann habe ich hier vielleicht einen schönen Ausflugstipp für Euch.

Meine Freundin hatte sich zum Geburtstag eine Wanderung mit einem Esel gewünscht. Bei meinen Internetrecherchen stieß ich auf eine Anbieterin in der Eifel. Da man von Hilden nur ca. eineinhalb Stunden dorthin fährt, war es ideal. Die Anbieterin schien am Telefon auch sehr nett und somit kaufte ich direkt einen Gutschein.

Als wir am Tag X zum alten Forsthaus hinkamen, begrüßte uns die Besitzerin Petra sehr herzlich. Sie erzählte uns kurz etwas zum Ablauf der Eselwanderung und holte dann „unseren“ Esel aus dem Stall. Sein Name war Jupp. Jupp war schon 8 Jahre alt und ein französischer Berry-Eselwallach. Er ist mutig, tapfer und der größte der Gruppe. Wir fingen an Jupp zu streicheln, zu putzen und zu satteln. Jupp schien sehr lieb zu sein. Währenddessen machten wir außerdem den Eselführerschein, in dem wir verschiedene Fragen zum Esel beantworten sollten, z.B. „Wie alt können Esel werden?“ Wir hingen unser Gepäck an den Sattel und bekamen von Petra noch ein Wanderheft mit Routenbeschreibungen. Die große Wanderroute war ca. 10 km, die kleine Wanderroute 5 km. Als geübte Wanderer wollten wir die große Route wandern.

Nach allen Vorbereitungen starteten wir unsere Wanderung. Ein kleines Stück ging Petra noch mit Jupp, danach gab sie uns die Zügel in die Hand und wir gingen alleine weiter. Am Anfang lief Jupp sehr gut mit, aber dann entdeckte er, dass sehr viel Gras am Wegesrand war. Er fing an zu fressen und wir merkten, dass er es nicht so eilig hatte. Deshalb ließen wir es auch ruhig angehen. Etwas an den Zügeln gezogen ging Jupp dann irgendwann weiter. Er frass mal hier und dort, aber es war ok. Schließlich wollten wir auch nicht hetzen, sondern in Ruhe wandern.

Irgendwann kamen wir zu einer Wiese und Jupp wollte gar nicht mehr weitergehen. Wir zogen an den Zügeln, gaben ihm Möhren, streichelten ihn, redeten auf ihn ein, aber es klappte nicht. Vielleicht hilft eine längere Pause, war meine Überlegung und somit setzen wir uns in die Rasthütte direkt an der Wiese und pausierten. Nach der Pause war Jupp aber immer noch nicht motiviert weiterzugehen, sondern wollte lieber weiter fressen. Es half nichts, wir mussten Petra um Rat fragen. Wir griffen zum Handy und ein paar Minuten später kam sie zur Wiese. Ihre Tipps halfen sehr gut. Sie sagte u.a. wir müssten Jupp so kurz an den Zügeln halten, dass er gar keine Chance hätte ständig am Wegesrand anzuhalten. Außerdem sollte eine von uns hinter Jupp laufen und in die Hände klatschen, damit er wieder läuft. Es klappte direkt besser und wir waren schnell der Überzeugung, dass wir die 10 km Wanderung doch noch schaffen würden, auch wenn Jupp hier und da mal stehen blieb.

Nach 5 Stunden kamen wir wieder am alten Forsthaus an und Petra nahm uns in Empfang. Wir machten noch ein Erinnerungsfoto und sattelten Jupp ab. Außerdem säuberten wir die Hufen, gaben ihm noch ein paar Möhren und er wurde wieder von Petra in den Stall gebracht. Danach bekamen wir unseren Eselführerschein, verabschiedeten uns und fuhren zufrieden nach Hause.

Vielleicht wollt Ihr auch mal gerne in Ruhe wandern und probiert diese Art der Wanderung aus? Ich fand es sehr lustig mit Jupp und werde bestimmt nochmal eine Eselwanderung machen.

Beste Grüße und bis zum nächsten Mal

I.Bollwerk

Es muss nicht immer gleich ein ganzer Urlaub sein

Liebe Leser,

geht es Euch auch so? Man freut sich auf das Wochenende aber ehe man es sich versieht, ist es auch schon wieder vorbei. Im Idealfall hat man am Wochenende viel erlebt und sich trotzdem gut erholt. Hat Kraft geschöpft für die neue Woche. Oft beschleicht einen aber am Sonntag auch das Gefühl, die freie Zeit nicht richtig für sich genutzt zu haben. Die Zeit verging viel zu schnell, zu lange geschlafen, den halben Tag vertrödelt und schon ist es Abend. Und dann gibt es Wochenenden wie das vergangene, wo man das Gefühl hat, die Zeit sei endlos und wie Urlaub.

Was ich gemacht habe? Ich habe mich mit fünf Freunden zum Wandern verabredet. Wir hatten uns eine Etappe vom Sauerländer Höhenflug ausgesucht, von Altena nach Neuenrade. Nun ist das Sauerland ja bekanntlich direkt vor der Haustür und wir hätten ohne weiteres diese Etappe als Tagesausflug angehen können. Aber wir haben es anders gemacht:

Am Freitag sind wir alle individuell direkt nach Feierabend nach Altena angereist. Dort hatten wir ein Zimmer in der Jugendherberge reserviert. Diese ist in der Burg Altena untergebracht. Allein diese Übernachtung war bereits ein unvergessliches Erlebnis.

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Nach einem kleinen Bummel durch die Burg und die Stadt gingen wir bei einem guten Italiener essen. Wir hatten einen geselligen Abend und lachten viel. Bereits an diesem Freitagabend, später in der Burg, war die vergangene Arbeitswoche in weite Ferne gerückt.

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Am nächsten Morgen nach dem Frühstück begannen wir dann mit der Wanderung. Knapp 20 Kilometer lagen vor uns, zum Teil mit ordentlichen An- und Abstiegen. Belohnt wurden wir mit immer wieder malerischen Blicken und fantastischem Frühlingswetter.

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Wir ließen uns Zeit und machten auch eine längere Rast mit ausgiebigem Picknick. Am Nachmittag erreichten wir dann Neuenrade, das Etappenziel. Von dort liefen wir noch ein Stück weiter bis Werdohl, von wo wir die Heimreise antraten. Gegen 18 Uhr war ich am Samstag wieder zuhause.

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Hinter mir lagen so viele schöne Eindrücke und Erlebnisse. Mein Kopf war frei und ich stellte fest: Es ist ja erst Samstagabend! Ich habe noch den ganzen Abend und den ganzen Sonntag für mich! Ich legte mich in die Badewanne und plante die Zweite Hälfte meines Wochenendes. In diesem Moment war ich wirklich glücklich. Es war die perfekte Mischung aus kleiner Auszeit mit Urlaubscharakter und einem normalen Wochenende mit Zeit für mich, Freunde treffen etc. Ich kann Euch also nur empfehlen, einfach einmal eine einzelne Übernachtung an einem anderen Ort zu planen. Es muss gar nicht weit weg von zuhause sein. Entscheidend ist der Tapetenwechsel. Und gute Gesellschaft. Ihr werdet sehen, so ein Wochenende lässt Euch die Zeit viel intensiver erleben.

Wo würdet Ihr gern einmal übernachten?

Beste Grüße

Karin Lachmann

 

Ein Paradies zum Wandern – Die Serra de Tramuntana

Liebe Leser,

als begeisterte Wanderin möchte ich Euch gerne das Wandergebiet auf Mallorca beschreiben. Vielleicht lasst Ihr Euch inspirieren, dorthin zu fliegen.

Die Serra des Tramuntana liegt im Nordwesten Mallorcas. Sie erstreckt sich über eine Strecke von ca. 100 km. In dem Gebiet sind 18 Gemeinden. Mitte 2011 erklärte die UNESCO die Serra de Tramuntana zum Welterbe. Bis auf die Monate Juli/August sind dort das ganze Jahr über gute Wanderbedingungen. Die Landschaft der Serra zeichnet sich durch ihre Vielfalt aus. Es gibt einerseits dichte oder lichtdurchflutete Wälder aus Steineichen, Kiefern und Röhricht. An anderer Stelle gibt es Wiesen und Felder, auf denen Olivenbäume dominieren.

Der wohl bekannteste Fernwanderweg der Serra des Tramuntana ist der GR 221. Er ist zum größten Teil gut beschildert, so dass Wanderer sich gut orientieren können. Er erfordert aber auch eine gewisse Kondition. Die Wege führen einen durch die unberührte Natur und ursprüngliche Dörfer. Kleine Städte laden zum Verweilen ein.  Ich fand vor allem die Städte Valldemossa und Sóller besonders schön. Das Kloster Lluc war auch sehr sehenswert und kann außerdem als Unterkunft dienen.

Schild vom Wanderweg GR 221

Schild vom Wanderweg
GR 221

Die größte Erhebung in dem Wandergebiet ist der Puig Major. Unterhalb des Puig Major gibt es  die zwei Stauseen Gorg Blau und den Cuber Stausee. Auf einer Wanderung rund um die Stauseen könnt Ihr die eindrucksvolle, vielfältige Landschaft sehen. Das Wasser der beiden Seen führt am Ende zum Canyon Torrent des Pareis.

Cuber Stausee

Cuber Stausee

Die Schlucht von Torrent des Pareis kann auch durchwandert werden. Allerdings sollte man diese auf keinen Fall ohne einen professionellen Wanderführer durchqueren, da einige Stellen sehr schwer zu überwinden sind. Teilweise ist es nötig, sich abzuseilen. Je nach Wetterlage ist auch noch Wasser in der Schlucht, so dass man vielleicht auch schwimmen muss. Bei Regen werden die hohen Steine sehr glitschig, so dass Wanderer sehr schnell ausrutschen können.

 

Schluchtenwanderung durch den Torrent de Pareis

Schluchtenwanderung durch den Torrent de Pareis

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Wandern in der Serra de Tramuntana.

Beste Grüße,

I. Bollwerk

Sechs Seen

Liebe Leser,

blickt man von außen, gefiltert durch das, was die Medien berichten auf die Stadt Duisburg, hat sie nicht gerade das beste Image, typisch Ruhrgebietsstadt halt. Dabei kann die Stadt auch schön, zum Beispiel an der Sechs-Seen-Platte. Besonders im Sommer, wenn man kühle Flächen zum Aufhalten sucht.

Die Sechs-Seen-Platte ist ein Naherholungsgebiet im Süden von Duisburg, mit einer Gesamtfläche von etwa 280 Hektar. Davon sind allein 150 Hektar Wasserfläche, sechs Seen brauchen schließlich Platz. Die Seen sind keine natürlich entstandenen Gewässer, sondern durch den Aushub von Bodenschätzen entstandene „Baggerseen“. Als die Reichsbahn 1912 den Güter- und Verschiebebahnhof „Wedau“ im Duisburger Süden anlegte, benötigte sie dafür unter anderem Kies und Sand als Baustoffe. Aus Kostengründen griff man auf die nahe gelegenen Kiesablagerungen der Niedertrasse des Rheins zurück.

Der Grund gehörte zu der Zeit dem Grafen von Spee aus Düsseldorf. In den 1960er Jahren kaufte die Stadt Duisburg ihm das Gelände ab. So konnte die Stadt den ursprünglichen Plan des Grafen ändern, der Kies und Sand auf einer Fläche von insgesamt 200 Hektar abbauen wollte. Die neue Planung sah vor, ein Naherholungsgebiet mit sechs miteinander verbundenen Einzelseen zu schaffen, mit bewaldeten Inseln und Halbinseln. Und das hat die Stadt wirklich gut hinbekommen!

Jeder See hat einen eigenen Charakter: Schwerpunkte der nördlich gelegenen Seen (Wambach- und Masurensee) sind zum Beispiel Freizeitangebote wie segeln, tauchen, angeln. Am Wolfsee liegt das Freibad mit Sandstrand und es gibt Grillplätze, die man mieten kann. Der Haubachsee dagegen, an dem noch bis 2001 Kies abgebaut wurde, ist heute als Vogelschutzgewässer rekultiviert. Das gesamte Ufer des Sees ist ausgewiesenes Naturschutzgebiet und darf nicht betreten werden.


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Die Sechs-Seen-Platte ist auf jeden Fall im Ruhrgebiet und bestimmt auch in ganz NRW ein Alleinstellungsmerkmal. Wandert doch mal rum um die Seen.

Beste Grüße

Nina Krüger

100 Km in 24 Stunden Teil 2

Liebe Leser,

den Anfang meiner 100 km-Wanderung  habe ich vor kurzem geschildert. Heute geht es weiter. Es ist drei Uhr nachts, wir feiern Bergfest nach 50 km. Alles tut weh, von Kopf bis Zeh. Wir setzen einen Fuß vor den anderen, wir ziehen keine Kärtchen mehr, wir reden nicht mehr miteinander. Viel zu anstrengend. Mittlerweile geht es nur noch um das Ankommen. Wenn wenigstens die Sonne wieder aufgehen würde. Bei Kilometer 70 etwa, dann wird es schon hell sein, kommen wir in einen Ort. Dort werden wir einen Bäcker ansteuern und uns Brötchen und Kaffee gönnen. Der frische Kaffee wird zur Motivationsquelle Nummer 1. Rund vier weitere Stunden wandern wir mit nur diesem einen Gedanken im Kopf: Endlich Kaffee. Leider haben wir uns inzwischen mehrmals verlaufen, bzw. mussten Umwege gehen, weil ein Weg gesperrt war. Die Ankunft im Ort verzögert sich also, und es wird klar, dass wir nun mehr als 100 km gehen müssen.

Die Sonne geht auf

Endlich geht die Sonne auf. Ein Moment, den wir uns vorher als sagenhaft vorgestellt haben, eins mit der Natur, dem Tag entgegen… von wegen. Wir sind mittlerweile so erschöpft, dass selbst Freude zu anstrengend ist. Ein müdes, dankbares Lächeln. Kurzes Innehalten, dann weiter gehen.

endlichhell

Nach 72 Kilometern erreichen wir die Zivilisation. Und es ist wieder hell. Leider führt der Weg nicht direkt durch den Ort, sondern nur durch ein Wohngebiet. Und es ist Sonntagmorgen. Von einem Bäcker weit und breit keine Spur. Wir sind schlapp, hungrig, durstig und nicht bereit auch nur einen Schritt weiterzugehen als unbedingt erforderlich. Wir befragen Google nach der nächsten Bäckerei, laufen hin und – GESCHLOSSEN! Es gibt noch eine zweite Option, allerdings klingt die eher nach Backstube als Bäckerei. Wir schleppen uns den Weg wenig hoffnungsvoll weiter bis zu diesem Moment, als uns plötzlich ein Mann entgegen kommt, mit einer Tüte frischer Brötchen im Arm! Ich hab Tränen in den Augen. DANKE! Wenig später erreichen wir unser Ziel und es ist wie im Himmel. Eine geöffnete Bäckerei mit allen Köstlichkeiten, kalten Getränken und dem heiß ersehnten Kaffee!

FrühstückEs gibt sogar zwei Tische und Stühle. Wir gönnen uns nach 73 Kilometern die erste richtige Pause und nehmen uns 30 Minuten Zeit, um in Ruhe zu frühstücken, unser Proviant aufzustocken und die Route neu zu planen, um ein paar Kilometer einzusparen. Dies ist definitiv einer der schönsten Augenblicke dieser Wanderung. Was ein Kaffee und ein Brötchen doch bewirken können. Und die neue Planung lässt uns hoffen. Wir beschließen eine Abkürzung an der Straße entlang zu nehmen und den Wanderweg zu verlassen. Wir wollen nur noch ankommen.

An die Grenzen und darüber hinaus

Mit neuem Wasservorrat, Kuchen und Brötchen geht es nun auf den letzten Teil unserer Reise. Zunächst läuft es besser. Ich spüre deutlich die neue Energie. Trotzdem tut noch immer wirklich alles an mir weh, abgesehen vielleicht von meiner Nase und meinen Ohren. Es geht schon längst nicht mehr darum an meine Grenzen zu gehen. Ich bin kilometerweit von meinen Grenzen entfernt. Es geht auch nicht darum die körperlichen Grenzen auszuloten, sondern um die Grenzen im Kopf. „Es ist reine Kopfsache“. Zum ersten Mal verstehe ich was damit gemeint ist. Schmerz und Erschöpfung sind Zustände mit denen man erstaunlich lang leben kann. Und dies völlig unabhängig davon wie trainiert man ist. Entscheidend ist allein die Willensstärke. Das Durchhaltevermögen.

An der Straße entlang machen wir zunächst gut Strecke, kommen gut voran. Die letzen 15 km führen dann wieder über Stock und Stein. Und nun werden uns zu guter Letzt noch einmal alle nur erdenklichen Knüppel zwischen die Beine geworfen. Zuerst werden die Wege immer schlechter, dann geht es immer öfter steil bergauf. Und es kommt die Sonne heraus, sie brennt gnadenlos. Als ich denke: „Schlimmer kann es nicht mehr werden.“ löst sich die linke Sohle bis zur Mitte von meinem Schuh. Weitergehen wird nun praktisch unmöglich. Es fehlen noch elf Kilometer.

Aufgeben?

Die Hitze, die Erschöpfung, der Schmerz, der Schuh, alles spricht dafür die Flinte ins Korn zu werfen. Aber wenn man soweit gegangen ist, dann ist Aufgeben keine Option mehr. Wir kommen an einem kleinen Häuschen vorbei, ein älteres Pärchen sitzt bei Kaffee und Kuchen im Garten. Ich stehe am Zaun und frage: „Verzeihung, mein Schuh ist auseinander gefallen, hätten Sie wohl etwas Klebeband?“. Verwundert aber freundlich wird mir mit einer Rolle Paketklebeband ausgeholfen und es kann nun weiter gehen. Die letzten elf Kilometer absolvieren wir langsam aber stetig ohne besondere Ereignisse. Wir setzen einfach nur einen Fuß vor den anderen, denken nur bis zum nächsten Schritt. Wir zählen die letzten Kilometer runter. Und dann kommt DER MOMENT.

100KmUnser GPS-Gerät meldet die 100 km. Wir stehen mitten im Wald, noch ca. drei Kilometer vom Ziel entfernt. Wir umarmen uns und gratulieren uns zu diesem Erfolg. Wir gönnen uns eine letzte größere Pause. Ich habe erwartet, dass mein Körper diese Anstrengungen mit einer Lawine von Glückshormonen honorieren würde, aber ich war einfach nur froh, dass es vorbei war. Die letzten Kilometer bis zur Jugendherberge waren wieder eine Quälerei, aber auch die schafften wir noch. Ich warf meine Schuhe in den Müll, schwankte unter die Dusche und wollte nur noch ins Bett. Wir waren uns einig: „So einen Mist machen wir niemals wieder!“.

Der Tag danach

Erstaunlicherweise hielt sich der Muskelkater am nächsten Tag wirklich in Grenzen. Die Füße, übersät mit Blasen, machten noch einige Zeit Beschwerden, aber ansonsten war wirklich alles in Ordnung. Ich habe viel über mich gelernt in diesen 24 Stunden. Ich weiß jetzt, dass Unmögliches manchmal doch möglich ist. Wichtig ist, es wirklich zu wollen. Der menschliche Körper kann wirklich viel ertragen, und das Gehirn vergisst recht schnell. So lagen wir am kommenden Tag in der Sauna-Anlage am Pool mit einem kühlen Getränk, voller Stolz und dachten: „Ach, so schlimm war es nun auch wieder nicht…, oder?“.

Würde ich es also noch einmal machen? Tja, nicht sofort. Aber mit einer besseren Planung und dem Wissen von heute…. vermutlich ja.

Beste Grüße

Karin Neugebauer