Archiv des Autors: Nina Bange

Stulle mal anders

Liebe Leser,

oft muss es im Alltag schnell gehen mit dem Essen und häufig greift man dabei auf die einfache Stulle zurück. Doch die einfache Stulle kann mit ein paar Handgriffen richtig schnell zum Highlight werden. Alexander Dölle und Anna Walz haben in ihrem Stullen-Buch (Gräfe und Unzer Verlag, 2017) viele schöne Anregungen, wie einfach man eine Stulle aufpeppen kann. Ein schönes Rezept daraus ist das Baguette mit Tofu, Kohlrabicreme und Minze.

Zutaten (für 2 Stullen):

Für die Kohlrabicreme: 1/2 kleiner Kohlrabi, Salz, 1 Stängel Minze, 1/2 Bio-Limette, 1/2 Chilischote, 1 Knoblauchzehe, 50 g Sojajoghurt

Für die Stullen: 2 Stücke Baguette, 2 Tomaten, 200 g Räuchertofu, 2 EL Öl zum Braten, 3 TL Ahornsirup, 2 TL Sojasauce

Zubereitung:

Den Kohlrabi schälen, in feine Scheiben hobeln und diese wiederum in feine Streifen schneiden. Die Kohlrabistreifen in einer Schüssel mit einem halben TL Salz verkneten und ca. 15 Minuten ziehen lassen.

Die Minze waschen, trocken schütteln und die Blätter fein hacken. Die Limette abwaschen, abtrocknen und die Schale abreiben. Die Chili waschen und in feine Ringe schneiden. Den Knoblauch schälen und fein würfeln. Den Kohlrabi ausdrücken und die Flüssigkeit abgießen. Minze, Limettenschale, Chili, Knoblauch und Sojajoghurt unterrühren.

Für die Stullen die Tomaten waschen und in dünne Scheiben schneiden. Den Tofu quer in 1 cm dicke Scheiben schneiden. Öl in einer Pfanne erhitzen und den Tofu darin bei mittlerer Hitze knusprig anbraten. Ahornsirup und Sojasauce verrühren und den gebratenen Tofu damit bestreichen. Das Baguette waagerecht halbieren und mit der Kohlrabicreme bestreichen. Die Tomaten auf der unteren Hälfte verteilen, mit Tofu belegen und zuklappen.

Beste Grüße

N. Bange

Döblin – Wegbereiter der literarischen Moderne

Liebe Leser,

gestern jährte sich der Todestag Alfred Döblins zum sechszigsten Mal. Zu seinem 50. Todestag vor zehn Jahren wurden einige seiner Werke neu ediert und kommentiert herausgebracht, 2011 erschien die längst überfällige Biografie eines der bedeutendsten deutschsprachigen Prosaautoren des 20. Jahrhunderts. Aber was war so außergewöhnlich an ihm, dass z. B. Literaturnobelpreisträger Günter Grass ihn als sein einziges Vorbild nennt?

Das Besondere am Werk Döblins ist, dass er nicht auf eine literarische Gattung, einen sprachlichen Stil und ein Themenspektrum festgelegt war. Sein Werk reicht von Romanen über Erzählungen, Novellen und Dramen hin zu Essays. Von expressionistischen Anfängen wie dem Erzählband Die Ermordung der Butterblume (1913), über den futuristisch geprägten chinesichen Roman Die drei Sprünge des Wang-lun (1916), den historischen Wallenstein (1920) und den utopischen Roman Berge Meere und Giganten (1924) hin zu dem Roman, mit dem Döblin der Durchbruch gelang und auf den er oft reduziert wird: Berlin Alexanderplatz (1929), der die Existenz eines einzelnen Menschen in der modernen Großstadt schildert. Sein Geschichtsepos November 1918 (1949/1950), das sich mit der gescheiterten deutschen Revolution befasst, stellt eine der bedeutendsten Epochendarstellungen des 20. Jahrhunderts dar.

Döblin war innovativ, fantasiegewaltig und setzte sich kritisch und polemisch mit der Gesellschaft der Weimarer Republik auseinander. Sein Werk ist eines der vielfältigsten, das es in der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts gibt. Doch wie so oft, blieb dem studierten Mediziner und Psychologen der große Ruhm zu Lebzeiten verwehrt. Daher hat Günter Grass 1978 zum hundertsten Geburtstag Döblins den Alfred-Döblin-Preis ins Leben gerufen. Dieser würdigt alle zwei Jahre unveröffentlichte epische Manuskripte und bietet jungen Schriftstellern sowohl durch die Reputation des Preises als auch durch das Preisgeld ein Sprungbrett. In diesem Jahr erhielt die aus Argentinien stammende Schriftstellerin María Cecilia Barbetta mit ihrem Manuskript Bloody Mary die Auszeichnung.

Beste Grüße

N. Bange

Bräuche zu Pfingsten

Liebe Leser,

die Pfingstfeiertage sind ursprünglich ein christliches Fest, mit dem jedes Jahr genau 50 Tage nach Ostern die Entsendung des Heiligen Geistes gefeiert wird. Neben dem religiösen Fest haben sich rund um diese Feiertage über die Jahrhunderte die verschiedensten Bräuche und Traditionen entwickelt, von denen ich Euch heute einige vorstellen möchte.

In Niedersachsen gibt es z. B. den Brauch des Pfingstbaumpflanzen, der ähnlich dem Maibaumbrauch ist. Dabei werden Birken vor den Häusern aufgestellt und mit aus Laub geflochtenen Girlanden und bunten Bändern eingebunden. Oft wir dies in einer Zeremonie mit Musik und Tanz zelebriert. Ähnlich ist der Brauch in Oelde im Münsterland. Dort wird ein mit Birken- oder Tannengrün umwickelter und mit Fähnchen und Fackeln geschmückter Pfingstenkranz aus Holzbalken vor der St. Josephs-Kirche aufgestellt, um den feierlich herumgetanzt wird.

In Frankfurt findet jährlich am Pfingstdienstag der Wäldchestag im Frankfurter Stadtwald statt. Was früher ein Volksfest der Zunft der Bäcker sowie der Hirten war, die ihre Kühe den Sommer über zur Mast in den Stadtwald trieben, wird heute in Form eines Jahrmarkts mit Fahrgeschäften, aber auch einem sehr großen kulinarischen und musikalischen Angebot auf dem Wäldchentagsgelände zelebriert.

Aus der ursprünglichen Abgeltung von Weiderechten hat sich in Deidesheim an der Weinstraße ein traditionelles Volksfest entwickelt, die Geißbockversteigerung am Pfingstdienstag. Im Mittelpunkt steht die Versteigerung eines sog. Tributbocks. Diese wird in einer langen Zeremonie gefeiert. Zuerst findet die Übergabe des Geißbocks durch den Nachbarort Lambrecht nach einer Wanderung an der Stadtgrenze zu Deidesheim statt. Anschließend wird die Übergabe im Historienspiel des „Hohen Stadtgerichts“ vor dem Rathaus in Deidesheim vollzogen und danach die Versteigerung eingeläutet. 

Im Bergischen Land ziehen Männer beim Pfingstsingen von Haus zu Haus, um den Leuten den Pfingstgruß darzubringen. Dafür werden sie mit Eiern, Speck und sonstigen Gaben beschenkt. Im Bayerischen Wald gibt es mit dem Wasservogelsingen einen ähnlichen Brauch. Dabei werden die „Wasservögel“ beim Singen von den Fenstern und Balkonen aus mit Wasser begossen und Gaben beschenkt. Derselbe Brauch wird in der Pfalz mit dem Pfingstquack begangen, wenn Kinder mit Bollerwagen umherziehen, singen und beschenkt werden.

Beste Grüße

N. Bange

Beeren-Schoko-Smoothie-Bowl

Liebe Leser,

heute möchte ich Euch mein neues Lieblings-Frühstücksrezept vorstellen:

Die Beeren-Schoko-Smoothie-Bowl (aus Christina Wiedemann: Smoothie Bowls : das Rezeptbuch, Köln: Naumann & Göbel Verlags-Ges., 2016):

Zutaten (für 2 Portionen):

2 Avocados, 200 g gemischte Beeren (TK), 2 El Kakaopulver, 2 Tl Mandelmus, 200 ml Mandelmilch, 2 El Agavendicksaft

Für das Topping:

1 Banane, 50 g Blaubeeren, 2 El Kakao-Nibs, 2 El Amaranth-Pops

Zubereitungszeit: ca. 20 Minuten

Die Avocados schälen, vom Kern befreien und grob zerkleinern. Mit den Beeren, dem Kakaopulver, dem Mandelmus und der Mandelmilch in einen Mixer geben und zu einer dickflüssigen Masse pürieren. Nach Belieben mit Agavendicksaft süßen und auf zwei Schalen verteilen.

Für das Topping die Banane schälen und in dünne Scheiben schneiden. Die Blaubeeren waschen und trocken tupfen. Die Bananenscheiben in der Mitte auf dem Smoothie verteilen. Die Blaubeeren auf der einen Seite, die Kakao-Nibs und die Amaranth-Pops auf der anderen Seite anordnen und sofort servieren.

Damit ist ein guter Start in den Tag garantiert 🙂

Beste Grüße

N. Bange

Die verlorene Waise…

Liebe Leser,

eigentlich bin ich kein großer Fan von Science-Fiction-Serien, doch eine Serie hat mich wirklich gepackt: Orphan Black. Eher durch Zufall darauf gestoßen, machte sie mich von der ersten Folge an süchtig. Das Thema, eigentlich auf den ersten Blick auch nicht meins: Klone.

Alles beginnt damit, dass die Kleinkriminelle Sarah Manning am Bahnhof beobachtet, wie sich eine Frau vor den Zug wirft. Seltsam nur, dass diese Sarah zum Verwechseln ähnlich sieht… Irritiert schnappt Sarah sich die Handtasche der Frau inklusive Pass und Wohnungsschlüsseln. Verblüfft über die Ähnlichkeit, beschließt sie kurzerhand die Identität dieser Frau anzunehmen, um vor ihrem Ex-Freund unterzutauchen. Doch das Leben von Beth Childs ist weitaus komplizierter und verworrener als gedacht. Als Beth taucht Sarah immer tiefer in die Gründe für deren Selbstmord ein. Sie findet heraus, dass sie beide Klone sind und sich in einem erbitterten Kampf gegen ihre Schöpfer, weitere Wissenschaftler und religiöse Fanatiker befinden. Dabei tauchen reihenweise weitere Klone ihrer Sorte auf, die zwar gleich aussehen, aber unterschiedlicher nicht sein könnten und die Serie mit ihren außergewöhnlichen Charakteren zu etwas ganz Besonderem machen. Faszinierend ist, dass Tatiana Maslany alle Rollen der weiblichen Klone – insgesamt neun – selbst spielt, wofür sie unter anderem 2014 für den Golden Globe nominiert war und 2016 mit dem Emmy für die beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie ausgezeichnet wurde.

An Sarahs Seite sind dabei immer ihr Pflegebruder Felix „Fee“, ihre Ziehmutter Siobhan „Mrs. S“ und ihre Tochter Kira, die die eigentliche Gejagte ist. All die Charaktere sind so liebevoll gestaltet, dass man sogar anfängliche „Feinde“ hinterher ins Herz schließt. Immer wenn eine Etappe erklommen ist und die Zusammenhänge aufgeklärt scheinen, tauchen neue Gegner auf… superspannend und raffiniert gemacht. Ich freue mich schon, wenn im Juni die fünfte und finale Staffel erscheint!

Beste Grüße

N. Bange

Wie viel Weisheit steckt im ÖPNV?

Liebe Leser,

als täglicher Bahnfahrer kommt man nicht darum herum, gewollt oder ungewollt Gespräche anderer Fahrgäste aufzuschnappen. Dies kann man als Fluch oder als Segen betrachten. Erkan Dörtoluk hat Letzteres getan und daraus sein ganz eigenes Ding gemacht. Seit 2011 veröffentlicht der Düsseldorfer als „Whistleblower von Tarifzone A“ auf seinem Twitter-Kanal @rheinbahn_intim, was ihm in eben dieser so zu Ohren kommt. Die skurrilsten und unterhaltsamsten Gesprächsfetzen hat der Whistleblower, der erst vor zwei Jahren seine Identität bekannt gab, 2016 in dem Buch Du hast mir das Kind gemacht, nicht ich: Mitgehört im öffentlichen Nahverkehr (Piper) veröffentlicht. Und dieses vergangene Woche in einer Lesung in den Stadtbüchereien Düsseldorf vorgestellt.

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Es war wirklich sehr interessant zu erfahren, wie ein tatsächliches Gespräch in 140 Zeichen Form findet, wie Name und Alter „von der Redaktion geändert“ werden und beides zusammen so seine Wirkung entfaltet. Learning by doing, dachte sich auch Stephan Schwering, Leiter der Zentralbibliothek Düsseldorf, begleitete den Social-Media-Redakteur einen Tag lang in der Rheinbahn und stellte die wirklich ansehnlichen Ergebnisse am Ende der Lesung vor. Auch während der Lesung wurde wild getwittert und auf der Twitter-Wall vorgestellt. Ein wirklich schönes Konzept und eine interessante Lesung.

Beste Grüße

N. Bange

Trainspotting 2

Liebe Leser,

„It’s such a perfect day… You’re going to reap just what you sow“. 20 Jahre später sollen Mark Renton, Simon alias Sick Boy, Spud und „Franco“ Begbie ernten, was sie 1996 in Trainspotting gesät haben. Gesät hatte Renton Verrat unter den vier Freunden, als er sich damals mit der Beute aus dem letzten großen Drogendeal absetzte und nur Spud seinen Anteil überließ. Geerntet wird in einem Pub namens „Port Sunshine“, als Renton nach 20 Jahren in Amsterdam nach Leith in Edinburgh zurückkehrt. Auf der Sonnenseite des Lebens standen die Vier nie, auch 20 Jahre später nicht. Spud ist nach wie vor heroinabhängig, Begbie sitzt nach einem Mord in Haft, Simon schlägt sich mit einem mieslaufenden Pub und Kleinkriminelltum durch und auch Renton ist sowohl privat als auch beruflich am Ende. Mit der Wiederkehr Rentons treffen Enttäuschung und Vergeltung auf Nostalgie.

„Zuerst kommt die Gelegenheit, dann kommt der Verrat“, daran hat sich auch 20 Jahre später nichts geändert. Nicht nur dass Mark Simon mit dessen Freundin Veronika betrügt, der Verrat, der am Ende steht, ist noch viel viel größer… Viele Parallelen, viele Rückblenden zeigen, dass der Mensch nun mal ist wie er ist. Festgehalten in wunderschönen Dialogen und Referenzen und untermalt mit Musik, die zeitgleich Nostalgie (Iggy Pop, Underworld) und Zeitgemäßheit (Young Fathers, Fat White Family, Rubber Bandits) versprüht. Es geht um den Glanz der Jugend, um den Kampf mit dem Älterwerden, um den Blick zurück auf das bisherige Leben. 20 Jahre warten, haben sich definitiv gelohnt!

Beste Grüße

N. Bange