Archiv des Autors: Nina Bange

Krach: Verzerrte Erinnerungen

Liebe Leser,

das Reeperbahn Festival in Hamburg ist ein wunderschönes Festival, das Musik, Kunst und Literatur miteinander verbindet. Seit 2006 findet es jährlich im September statt, so auch letzte Woche. Eine Lesung hat mich dabei besonders berührt. Exklusiv zum Reeperbahn Festival hatte der Hamburger Literaturzirkel Books de Hoode um Daniel Vollstedt und Tobias Soffner einen ganz besonderen Gast eingeladen: Einstürzende Neubauten-Bassist Alexander Hacke mit seiner Autobiografie Krach (Metrolit, 2015). Das Streitgespräch drehte sich diesmal voll und ganz um die Musiker-Autobiografie, neben Krach wurden Patti Smiths M Train (Kiepenheuer&Witsch, 2016) und Carrie Brownsteins Modern Girl (Benevento, 2016) vorgestellt und die verschiedenen Reflektionen des Musikerlebens und ihrer Zeit analysiert und diskutiert.

Persönliche Anekdoten wie die Schilderung eines der ersten chaotischen Neubauten-Konzerte in Hamburg oder Blixa Bargelds Lieblingswitz kamen nicht zu kurz. Was den Abend schließlich zu etwas ganz Besonderem machte, waren die musikalischen Einlagen Hackes von Rio Reisers „Jenseits von Eden“ hin zum Sterne-Song „Ihr wollt mich töten“.

Ein Abend, der auf jeden Fall Lust gemacht hat, auf der Westberliner Insel der 80er Jahre zu stranden, mit Patti Smith auf Reisen zu gehen oder mit Sleater-Kinney als Riot-Grrrl dem Hunger nach Erfüllung und Anerkennung zu folgen.

Beste Grüße

N. Bange

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Indian Summer

Liebe Leser,

der Sommer neigt sich langsam dem Ende zu und bald ist es wieder soweit:

Das Laub fällt und die Bäume färben sich in unendlich schöne Farben. In Deutschland wird dieses Spektakel Altweibersommer genannt, in den USA und Kanada heißt es Indian Summer oder Foliage. Das einzigartige Naturschauspiel entsteht durch ein Zusammenspiel von extremen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, viel Sonne und teils starken Winden. Oft folgt ein letztes Mal für Herbst ungewöhnlich warmes und trockenes Wetter auf eine Kälteperiode mit Frost, bevor der Winter endgültig kommt.

Besonders die Neuenglandstaaten an der Ostküste der USA sind für dieses Phänomen bekannt. Dies liegt an den Ahornbäumen, insbesondere dem Zuckerahorn, dessen Blätter sich von grün nach gelb, orange, rot und schließlich braun verfärben. Meist beginnt das Naturereignis an den Berghängen im Süden Kanadas und verbreitet sich von dort über die US-Staaten Maine, New Hampshire, Vermont, Massachusetts, Rhode Island und Connecticut. Am Schönsten ist es dort meistens zwischen der letzten Woche im September und den ersten zwei Wochen im Oktober. Für die Indianer war der Indian Summer ein wichtiger Vorbote des kommenden harten Winters und wurde für die Jagd und die Ernte genutzt. Heute zieht das Naturspektakel zahlreiche Touristen aus aller Welt an, jährlich kommen zahlreiche sogenannte leaf peeper (Laubgucker) im Herbst in die Gegend.

Beste Grüße

N. Bange

Döblin – Wegbereiter der literarischen Moderne

Liebe Leser,

gestern jährte sich der Todestag Alfred Döblins zum sechszigsten Mal. Zu seinem 50. Todestag vor zehn Jahren wurden einige seiner Werke neu ediert und kommentiert herausgebracht, 2011 erschien die längst überfällige Biografie eines der bedeutendsten deutschsprachigen Prosaautoren des 20. Jahrhunderts. Aber was war so außergewöhnlich an ihm, dass z. B. Literaturnobelpreisträger Günter Grass ihn als sein einziges Vorbild nennt?

Das Besondere am Werk Döblins ist, dass er nicht auf eine literarische Gattung, einen sprachlichen Stil und ein Themenspektrum festgelegt war. Sein Werk reicht von Romanen über Erzählungen, Novellen und Dramen hin zu Essays. Von expressionistischen Anfängen wie dem Erzählband Die Ermordung der Butterblume (1913), über den futuristisch geprägten chinesichen Roman Die drei Sprünge des Wang-lun (1916), den historischen Wallenstein (1920) und den utopischen Roman Berge Meere und Giganten (1924) hin zu dem Roman, mit dem Döblin der Durchbruch gelang und auf den er oft reduziert wird: Berlin Alexanderplatz (1929), der die Existenz eines einzelnen Menschen in der modernen Großstadt schildert. Sein Geschichtsepos November 1918 (1949/1950), das sich mit der gescheiterten deutschen Revolution befasst, stellt eine der bedeutendsten Epochendarstellungen des 20. Jahrhunderts dar.

Döblin war innovativ, fantasiegewaltig und setzte sich kritisch und polemisch mit der Gesellschaft der Weimarer Republik auseinander. Sein Werk ist eines der vielfältigsten, das es in der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts gibt. Doch wie so oft, blieb dem studierten Mediziner und Psychologen der große Ruhm zu Lebzeiten verwehrt. Daher hat Günter Grass 1978 zum hundertsten Geburtstag Döblins den Alfred-Döblin-Preis ins Leben gerufen. Dieser würdigt alle zwei Jahre unveröffentlichte epische Manuskripte und bietet jungen Schriftstellern sowohl durch die Reputation des Preises als auch durch das Preisgeld ein Sprungbrett. In diesem Jahr erhielt die aus Argentinien stammende Schriftstellerin María Cecilia Barbetta mit ihrem Manuskript Bloody Mary die Auszeichnung.

Beste Grüße

N. Bange

Beeren-Schoko-Smoothie-Bowl

Liebe Leser,

heute möchte ich Euch mein neues Lieblings-Frühstücksrezept vorstellen:

Die Beeren-Schoko-Smoothie-Bowl (aus Christina Wiedemann: Smoothie Bowls : das Rezeptbuch, Köln: Naumann & Göbel Verlags-Ges., 2016):

Zutaten (für 2 Portionen):

2 Avocados, 200 g gemischte Beeren (TK), 2 El Kakaopulver, 2 Tl Mandelmus, 200 ml Mandelmilch, 2 El Agavendicksaft

Für das Topping:

1 Banane, 50 g Blaubeeren, 2 El Kakao-Nibs, 2 El Amaranth-Pops

Zubereitungszeit: ca. 20 Minuten

Die Avocados schälen, vom Kern befreien und grob zerkleinern. Mit den Beeren, dem Kakaopulver, dem Mandelmus und der Mandelmilch in einen Mixer geben und zu einer dickflüssigen Masse pürieren. Nach Belieben mit Agavendicksaft süßen und auf zwei Schalen verteilen.

Für das Topping die Banane schälen und in dünne Scheiben schneiden. Die Blaubeeren waschen und trocken tupfen. Die Bananenscheiben in der Mitte auf dem Smoothie verteilen. Die Blaubeeren auf der einen Seite, die Kakao-Nibs und die Amaranth-Pops auf der anderen Seite anordnen und sofort servieren.

Damit ist ein guter Start in den Tag garantiert 🙂

Beste Grüße

N. Bange

Die verlorene Waise…

Liebe Leser,

eigentlich bin ich kein großer Fan von Science-Fiction-Serien, doch eine Serie hat mich wirklich gepackt: Orphan Black. Eher durch Zufall darauf gestoßen, machte sie mich von der ersten Folge an süchtig. Das Thema, eigentlich auf den ersten Blick auch nicht meins: Klone.

Alles beginnt damit, dass die Kleinkriminelle Sarah Manning am Bahnhof beobachtet, wie sich eine Frau vor den Zug wirft. Seltsam nur, dass diese Sarah zum Verwechseln ähnlich sieht… Irritiert schnappt Sarah sich die Handtasche der Frau inklusive Pass und Wohnungsschlüsseln. Verblüfft über die Ähnlichkeit, beschließt sie kurzerhand die Identität dieser Frau anzunehmen, um vor ihrem Ex-Freund unterzutauchen. Doch das Leben von Beth Childs ist weitaus komplizierter und verworrener als gedacht. Als Beth taucht Sarah immer tiefer in die Gründe für deren Selbstmord ein. Sie findet heraus, dass sie beide Klone sind und sich in einem erbitterten Kampf gegen ihre Schöpfer, weitere Wissenschaftler und religiöse Fanatiker befinden. Dabei tauchen reihenweise weitere Klone ihrer Sorte auf, die zwar gleich aussehen, aber unterschiedlicher nicht sein könnten und die Serie mit ihren außergewöhnlichen Charakteren zu etwas ganz Besonderem machen. Faszinierend ist, dass Tatiana Maslany alle Rollen der weiblichen Klone – insgesamt neun – selbst spielt, wofür sie unter anderem 2014 für den Golden Globe nominiert war und 2016 mit dem Emmy für die beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie ausgezeichnet wurde.

An Sarahs Seite sind dabei immer ihr Pflegebruder Felix „Fee“, ihre Ziehmutter Siobhan „Mrs. S“ und ihre Tochter Kira, die die eigentliche Gejagte ist. All die Charaktere sind so liebevoll gestaltet, dass man sogar anfängliche „Feinde“ hinterher ins Herz schließt. Immer wenn eine Etappe erklommen ist und die Zusammenhänge aufgeklärt scheinen, tauchen neue Gegner auf… superspannend und raffiniert gemacht. Ich freue mich schon, wenn im Juni die fünfte und finale Staffel erscheint!

Beste Grüße

N. Bange

Wie viel Weisheit steckt im ÖPNV?

Liebe Leser,

als täglicher Bahnfahrer kommt man nicht darum herum, gewollt oder ungewollt Gespräche anderer Fahrgäste aufzuschnappen. Dies kann man als Fluch oder als Segen betrachten. Erkan Dörtoluk hat Letzteres getan und daraus sein ganz eigenes Ding gemacht. Seit 2011 veröffentlicht der Düsseldorfer als „Whistleblower von Tarifzone A“ auf seinem Twitter-Kanal @rheinbahn_intim, was ihm in eben dieser so zu Ohren kommt. Die skurrilsten und unterhaltsamsten Gesprächsfetzen hat der Whistleblower, der erst vor zwei Jahren seine Identität bekannt gab, 2016 in dem Buch Du hast mir das Kind gemacht, nicht ich: Mitgehört im öffentlichen Nahverkehr (Piper) veröffentlicht. Und dieses vergangene Woche in einer Lesung in den Stadtbüchereien Düsseldorf vorgestellt.

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Es war wirklich sehr interessant zu erfahren, wie ein tatsächliches Gespräch in 140 Zeichen Form findet, wie Name und Alter „von der Redaktion geändert“ werden und beides zusammen so seine Wirkung entfaltet. Learning by doing, dachte sich auch Stephan Schwering, Leiter der Zentralbibliothek Düsseldorf, begleitete den Social-Media-Redakteur einen Tag lang in der Rheinbahn und stellte die wirklich ansehnlichen Ergebnisse am Ende der Lesung vor. Auch während der Lesung wurde wild getwittert und auf der Twitter-Wall vorgestellt. Ein wirklich schönes Konzept und eine interessante Lesung.

Beste Grüße

N. Bange

Trainspotting 2

Liebe Leser,

„It’s such a perfect day… You’re going to reap just what you sow“. 20 Jahre später sollen Mark Renton, Simon alias Sick Boy, Spud und „Franco“ Begbie ernten, was sie 1996 in Trainspotting gesät haben. Gesät hatte Renton Verrat unter den vier Freunden, als er sich damals mit der Beute aus dem letzten großen Drogendeal absetzte und nur Spud seinen Anteil überließ. Geerntet wird in einem Pub namens „Port Sunshine“, als Renton nach 20 Jahren in Amsterdam nach Leith in Edinburgh zurückkehrt. Auf der Sonnenseite des Lebens standen die Vier nie, auch 20 Jahre später nicht. Spud ist nach wie vor heroinabhängig, Begbie sitzt nach einem Mord in Haft, Simon schlägt sich mit einem mieslaufenden Pub und Kleinkriminelltum durch und auch Renton ist sowohl privat als auch beruflich am Ende. Mit der Wiederkehr Rentons treffen Enttäuschung und Vergeltung auf Nostalgie.

„Zuerst kommt die Gelegenheit, dann kommt der Verrat“, daran hat sich auch 20 Jahre später nichts geändert. Nicht nur dass Mark Simon mit dessen Freundin Veronika betrügt, der Verrat, der am Ende steht, ist noch viel viel größer… Viele Parallelen, viele Rückblenden zeigen, dass der Mensch nun mal ist wie er ist. Festgehalten in wunderschönen Dialogen und Referenzen und untermalt mit Musik, die zeitgleich Nostalgie (Iggy Pop, Underworld) und Zeitgemäßheit (Young Fathers, Fat White Family, Rubber Bandits) versprüht. Es geht um den Glanz der Jugend, um den Kampf mit dem Älterwerden, um den Blick zurück auf das bisherige Leben. 20 Jahre warten, haben sich definitiv gelohnt!

Beste Grüße

N. Bange