Ich war das nicht! Das war schon so!

Liebe Leser,

in meinem letzten Blogbeitrag habe ich Euch erzählt, wie ein schöner, neuer Roman den Weg ins Regal und in Eure Hände findet.

Es mag ein Aspekt unserer so genannten „Wegwerf-Gesellschaft“ sein, aber es werden immer mehr Bücher, gerade neu gekauft, abgeben, bei denen wir teilweise echt den Kopf schütteln und fassungslos davor stehen.

Feuchtigkeitsschäden (teilweise schon schimmelig!), der Buchschnitt rot vom Lippenstift oder Make-Up, Kaffeeflecken, Zigarettenkippen im Buch (oder Bücher, die riechen, als hätte man sie in einen Aschenbecher getaucht), Rotweinflecken (vorzugsweise in Krimis), als „Fliegenfalle“ benutze Taschenbücher, im Sand „panierte“ Urlaubslektüre, …

Bei manchen Flecken bin ich ehrlich froh, dass ich keine Chemikerin bin.

Häufig liegen diese Titel zwischen allen anderen Büchern im Rückgaberegal. Vielleicht merkt es ja keiner, wenn man das beschädigte Buch einfach zu den anderen stellt.

Wir merken es in der Regel bei den (offensichtlichen) Schäden aber spätestens dann, wenn wir die Bücher wieder einsortieren wollen. Dann schauen wir nach, wer den Titel zuletzt hatte und schreiben einen sogenannten „Ersatzbrief“, bitten also darum, das beschädigte Buch neu zu kaufen.

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Eine häufige Reaktion auf so einen Brief ist der entsetzte Ausruf:

Oft verbunden mit: „Ich gehe sorgfältig mit Ihren Büchern um. Das kann nicht bei mir passiert sein. Da liegen die Bücher immer auf dem Schrank/im Regal/neben dem Bett. Wie soll da der Feuchtigkeitsschaden dran gekommen sein?“

Das fragen wir uns dann natürlich auch. Wenn alle Kunden, die das Buch hatten, meinen, dass sie es nicht waren, wir kommen die Flecken, die Verschmutzungen, die Feuchtigkeitsschäden dann ans Buch?

Eine andere mögliche Reaktion ist absolutes Unverständnis: „Die Bücher hier sind Gebrauchsgegenstände. Die sehen halt irgendwann so aus.“

Ja. Irgendwann vielleicht. Aber nicht nach der zweiten Entleihung.

Dieser Titel zum Beispiel ist schon 48 Mal entliehen worden, und er sieht für ein Taschenbuch echt traumhaft aus:

 

Natürlich gibt es auch diejenigen, die zerknirscht vor uns stehen und uns gestehen, dass der Schaden bei ihnen entstanden ist und die das Buch dann auch ersetzen.

Es gibt auch Fälle, in denen wir leider nicht mehr nachvollziehen können, bei wem das Buch beschädigt wurde. Dann notieren wir direkt im Buch, dass bereits ein Schaden vorhanden ist.

Allein bei den Romanen haben wir im letzten Jahr ca. 120 Briefe geschrieben, weil Medien beschädigt abgegeben wurden. Rund 60 Titel davon wurden tatsächlich ersetzt, also ziemlich genau die Hälfte. Bei den anderen Medien war die Antwort: „Ich war das nicht, das war schon so!“

Wenn ich überlege, was diese 60 Romane im Durchschnitt gekostet haben, und das rein nur in meinem eigenen Lektorat, werde ich doch ziemlich unglücklich. Und bei jedem neuen Fall, der ohne Kommentar im Rückgaberegal liegt, seufze ich ein wenig lauter. Wir wollen unseren Kunden einen schönen, attraktiven Bestand zur Verfügung stellen. Dafür geben wir jährlich wirklich viel Geld aus.

Ist es denn so undenkbar, dass wir dafür erwarten, dass mit den Medien sorgfältig umgegangen wird? Es sind eben nicht die eigenen. Das haben uns im idealsten Fall unsere Eltern schon beigebracht. Meine alten Kinderbücher haben auch Nutella-Flecken. Aber die gehören ja auch mir. 🙂

Und ganz zum Schluss noch ein kleiner Hinweis: Wenn Euch vor der Ausleihe eines Buches auffällt, dass etwas nicht stimmt, dann kommt doch zu uns. Wir notieren es dann im Buch und schreiben Euch nicht an, weil Ihr es zuletzt abgegeben habt. Ein „Ich war das nicht! Das war schon so!“ zum richtigen Zeitpunkt ausgesprochen.

 

Beste Grüße,

Sonja Tewes

 

 

 

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2 Kommentare zu “Ich war das nicht! Das war schon so!

  1. bielefelderstadtbibliothek 13. Juni 2017 um 11:15 Reply

    Genau, wir sind auch immer froh, wenn unserer Leser vor der Ausleihe zu uns kommen. Dann setzen wir auch einen Vermerk ins Buch. Ganz unkompliziert 🙂

    • Sonja Tewes 13. Juni 2017 um 11:20 Reply

      *Daumen hoch* 🙂

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