Judo – ein Kampfsport mit Geist

 

Liebe Leser,

viele von Euch denken wahrscheinlich, dass Judo ein Sport mit vielen Tritten und Schlägen ist, das ist aber nicht so. Im Gegenteil, das ist verboten und wird im Wettkampf mit der Disqualifikation bestraft, auf japanisch Hansoku-make.

Judo wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Kano Jigoro (1860-1938) in Japan entwickelt. Anfangs wurde es noch Kano-Ju-Jutsu genannt, bevor es sich Anfang des 20. Jahrhunderts Judo nannte.

Judo ist japanisch und bedeutet so viel wie „der sanfte Weg“.

Aber warum sanft?!

Beim Judo gibt es die so genannte Fallschule. Dort lernt man das Fallen nach vorne, hinten, seitwärts und später auch den freien Fall (eine Art Salto in der Luft), ohne sich dabei zu verletzen. Das Fallen und Abschlagen (Stoppzeichen) gehört zu den wichtigsten Dingen, die man immer wiederholen und beherrschen sollte.

Wenn Ihr fallen könnt, dürft Ihr mit den Würfen und Haltegriffen anfangen.

Achtet darauf, dass Ihr die Würfe, langsam und vorsichtig übt, so dass Ihr eure Partner nicht verletzt, denn trotz Fallschule könnte Ihr ihm/ihr damit wehtun. Das Tempo kommt mit der Zeit. Ein guter Wurf für Anfänger ist O-soto-otoshi. Das heißt übersetzt „großer Außensturz“.

Die Haltegriffe sind einfacher. Haltet Euren Gegner so am Boden, dass er sich nicht befreien kann und dass Ihr die beste Chance habt, ihn so 25 Sekunden festzuhalten, damit Ihr den Kampf gewonnen habt.

Mit Hebeln und Würgern muss man ganz vorsichtig umgehen. Daher darf man das auch erst ab einem bestimmten Kyu (Gürtel) machen.

Beim Hebeln versucht Ihr, dem Gegner den Arm zu brechen. Deshalb ist hier große Vorsicht geboten. Lasse sofort locker, wenn Euer Gegner auf der Matte abschlägt. Die Einsteigerhebel für den vierten Kyu heißen Ude-garami (Armbeugehebel) und Juji-gatame (Armstreckhebel).

Auch bei den Würgern heißt es Vorsicht! Dabei kann man schnell bewusstlos werden (ich habe Erfahrung). Deshalb auch hier, beim Abschlagen, lockerlassen. Ein beliebter Würger ist der Kingston-Würger. Würgen dürft Ihr ab dem dritten Kyu lernen und anwenden.

Beim Randori (Kampf) geht Ihr Eurem Partner ganz schön an den Kragen. Da dürfen die Klamotten nicht reißen.

Nur um das mal zu sagen: die weißen Anzüge heißen Judogis und sind keine Bademäntel. Die Krägen sind etwas dicker und über die Knie sind zwei Schichten Stoff angenäht, denn beim Bodenrandori rutschen wir mal ganz gerne auf den Knien herum.

Die Anzüge sind meistens weiß, aber es gibt auch blaue, die sind praktisch im Kampf um zu sehen, wer wo seinen Arm hat usw.

Dazu tragen wir einen farbigen Gürtel. Der Gürtel zeigt den anderen, welchen Rang die Person hat. Je dunkler die Farbe, desto höher der Rang. Es gibt weiß, weiß-gelb, gelb, gelb-orange, orange, orange-grün, grün, blau, braun und schwarz.

Bis zum braunen Gürtel (Kyu) ist man Schüler, wer den schwarzen Gürtel (Dan) hat, darf sich Meister nennen. Es gibt 10 Dane: 1-5 schwarz, 6-8 rot und der neunte und zehnte sind rot. Wen man einen Dan hat, darf man auch andersfarbige Anzüge tragen, zum Beispiel grau, rot oder grün.

Neben den praktischen Sachen spielt Persönlichkeit auch eine große Rolle: die Judowerte. Darunter fallen Höflichkeit, denn man ist immer miteinander befreundet, auch wenn diese Person im Wettkampf dein Gegner ist.

Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Freundschaft gegenüber deinem Meister (Lehrer) und deinem Trainingspartner.

Aufmerksamkeit, wenn dir dein Meister einen Wurf, Haltegriff, Würger oder Hebel beibringt.

Mut, denn kein Gegner ist unbezwingbar, auch wenn es dir in diesem Moment so erscheint. Sie haben auch so angefangen wie Ihr und sind keine Monster.

Selbstbeherrschung ist wichtig. Verliert nie die Kontrolle über Euch, auch wenn Euch die Situation unfair vorkommt.

Bescheidenheit: Spiel euch selbst nicht in den Vordergrund. Es ist unhöflich.

Habe Respekt und Achtung vor jedem, egal ob Gegner oder Freund.

Hilfsbereitschaft: Seid immer und zu jedem hilfsbereit, egal in welcher Situation ihr Euch befindet.

Der letzte Wert ist Wertschätzung: Erkennt die Leistung des jeweils anderen an, auch wenn Ihr nicht den gleichen Kyu/Dan habt.

Vor dem Training meditiert man gemeinsam mit den anderen Judoka, damit Ihr alles kurz vergesst und somit für das Training volle Konzentration hat.

Auch nach der Trainingseinheit meditiert man wieder, damit der Geist seine innige Ruhe wiederfindet. Es ist ein Ritual, das bei jedem Training wiederholt wird. Da sieht man, dass Judo auch etwas mit Seele und Geist zu tun hat.

Ich könnte jetzt noch unendlich weiter schreiben, aber ich ende an dieser Stelle einfach mal. Das waren die Grundlagen des Judo.

Zum Schluss noch drei Infos am Rand: wir sind Judokämpfer, aber der Fachbegriff ist Judoka.

Judo ist die beliebteste Kampfsportart der Welt.

Die Person, die eine Aktion ausführt nennt sich Tori, die Person, die verteidigt oder zu blocken versucht, heißt Uke.

Ich hoffe, es hat Euch gefallen!

Sportliche Grüße

Leonie Knecht, Praktikantin

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