Ort des Gedenkens: Neuengamme

Liebe Leser,

es gibt Orte des Gedenkens, an denen man mit Eindrücken überschüttet und von Empfindungen überwältigt wird. An denen Schicksale von Menschen, die man nie gekannt hat, einen tief berühren. Die man nicht mehr so verlässt, wie man sie betreten hat. Und die einem einmal mehr bewusst werden lassen, wie kostbar und so gar nicht selbstverständlich es ist, in einem Land zu leben, das nicht von Krieg oder Naturkatastrophen gebeutelt wird und in dem Frieden herrscht.

Vor ein paar Monaten hatte ich die Gelegenheit, die KZ-Gedenkstätte Neuengamme in Hamburg zu besuchen. Das Gelände ist riesig, so dass ich in den nur drei Stunden, die wir dort verbracht haben, längst nicht alles gesehen habe, was dort aus- und aufgestellt wurde.

Zuerst kamen wir zu einem von außen eher unscheinbaren Gebäude, dem „Haus des Gedenkens“. Im Grunde genommen ist es aber sogar eine kleine Halle.

Auf weißen Stoffbahnen sind dort die Namen der Toten des KZ Neuengamme aufgezeichnet und hängen meterlang an den Wänden. Laut offizieller  Internetseite wurden die Namen aus nur lückenhaft überlieferten Quellen ermittelt (Totenbücher, Standesamtsregister, Einäscherungs- und Friedhofslisten). Die ca. 25.000 Namen sind nach dem Todesdatum aneinander gereiht. In einem schmalen Seitenraum mit Blick auf das Aschefeld (heute stehen an der Stelle, an der die Asche verstreut wurde, Koniferen) werden Faksimiles der im Lager geführten Totenbücher gezeigt. Auch hier hinterließ der Blick über unendlich viele Namen einen bleibenden Eindruck bei mir.

Haus des Gedenkens

Nachdem wir aus dem Gebäude traten, hatten wir das Bedürfnis, erst einmal tief Luft zu holen. Direkt dahinter schließt sich nach einer großen Wiese ein kleines Waldstück an, das ein wenig an einen Friedhof erinnert, aber keiner ist. Viele Nationen haben hier Gedenksteine aufgestellt.

Einige Meter weiter befindet sich das „eigentliche“ Gelände, ein großes Terrain, auf dem noch skizzenhaft die Umrisse der alten Gebäude zu sehen sind. Wenn ich hier „skizzenhaft“ schreibe, weiß ich nicht, wie ich das anders erklären soll. Einige Gebäude stehen nicht mehr. An deren Stelle sind Steine aufgeschüttet und mit einem Drahtgeflecht überzogen, die die Grundrisse dieser Gebäude darstellen sollen.

Gelände

 

Wenn man durch diese Grundrisse hindurch geht, gelangt man zu einem noch erhaltenen Gebäude, in dem sich die eigentliche Ausstellung befindet. Über mehrere Etagen sind hier Habseligkeiten der Inhaftierten, deren Geschichten (falls bekannt) und teilweise auch Kopien von Bildern, die die Gefangenen selbst gemalt haben, ausgestellt. Hunderte kleine Tische befinden sich hier, deren Schubladen man aufziehen kann oder durch Vitrinen hindurch auf Briefe, Schmuckstücke oder andere Dinge gelenkt wird.

Viele Schautafeln beleuchten die bitteren, menschenunwürdigen Verhältnisse, die dort geherrscht haben.

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Ich habe diesen Ort sehr still verlassen. In Gedenken an viele, viele Menschen, die auf grausame Art ihr Leben gelassen haben. Dennoch halte ich die Gedenkstätte für einen wichtigen Platz, den es sich lohnt, besucht zu haben und den ich nur weiterempfehlen kann.

Beste Grüße,

Sonja Tewes

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