Brettspiel-Fieber

Liebe Leser!

Wir freuen uns sehr, dass Stefan Molz (in Hilden geboren und aufgewachsen!) für unseren Blog einige Fragen beantworten wird. Thema: Brettspiele und die dazugehörigen Meisterschaften. Stefan Molz hat im letzten Jahr mit seinem Team die „Deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Brettspiel“ gewonnen und ist im Oktober bei der „europe masters“ gegen 28 andere Teams angetreten und hat den 5. Platz errungen!

Erstmals sollten bei den „europe masters“ in Essen während der Messe „Spiel“ auch Teams aus den USA vertreten sein, allerdings konnten dieses Jahr einige qualifizierte Teams nicht erscheinen. Kanada und Israel waren schon 2014 dabei, so dass es sich eher um eine Weltmeisterschaft handelt.

Das Interview wird aufgrund seiner Länge auf drei Blogbeiträge verteilt! Der nächste Termin ist der 11.02., der dritte Termin der 01.03.2016.

Herr Molz, vielen Dank, dass Sie uns einige Fragen beantworten möchten.

1. Haben Sie während Ihrer Kindheit in Hilden schon immer viele Brettspiele gespielt? Können Sie sich noch erinnern, welches Ihr erstes Brettspiel war, welches Sie immer und immer wieder spielen wollten?

Bereits als kleines Kind habe ich gerne Gesellschaftsspiele gespielt. Am Anfang waren es eher kleine Kartenspiele und Brettspiele, die jeder kannte und bei denen das Glück überwiegt (z. B. Uno, Mensch ärgere dich nicht, Malefiz). Das erste richtige Brettspiel war das alte Monopoly aus den Kindheitstagen der Eltern. Es wurde nur selten mit den Eltern und später ab und an mit Freunden gespielt. Mit der Zeit fühlte ich mich als richtiger Monopolyexperte, der natürlich den Dreh raus hatte, obwohl das Spiel fast nur vom Glück des Würfelwurfes abhängt. Nach der Monopolyphase wurde es ruhig in der Brettspielecke, bis ich mit ca. 10 Jahren (1994) die Neuheit „Die Siedler von Catan“ für mich entdeckte und es mit meinem Freundeskreis verschlungen habe. Von da an wurde an vielen Nachmittagen gesiedelt bis die Freunde oder Verwandten aufgaben. Ich selbst hatte immer noch Lust auf eine, eine kleine schnelle letzte Runde… Bitteeee! Nach der Siedlerphase wurde es wieder ruhig und Spiele wurden mal an Weihnachten oder sehr selten bei Freunden in den Ferien rausgeholt, wenn die Langeweile bekämpft werden musste. Danach habe ich über eine lange Zeitspanne viel lieber Computerspiele gespielt und dort mit ca. 18 Jahren kurz auch europaweit in Ligen gekämpft, bis ich mit ca. 22 Jahren einen Spieletreff in Münster für mich entdeckt habe und die alte Liebe zum Brettspiel wieder entbrannte.

2. Was machen Sie beruflich und wie lässt sich die Spieleleidenschaft mit Ihrem Beruf vereinbaren?

Während meiner Schulzeit am naturwissenschaftlichen Helmholtz Gymnasium Hilden wollte ich immer Informatik studieren. Dies änderte sich nach einem Praktikum im Jugendzentrum Kleever Hof in Hilden, nach dem ich Pädagogik an der Universität Münster studiert habe. Derzeitig bin ich Leiter des offenen Jugendtreffs @ttic der evangelischen Kirchengemeinde in Warendorf und kann dort natürlich meine Fähigkeiten in Form eines schönen Spieleangebots einbringen. Jugendliche reagieren sehr unterschiedlich auf Gesellschaftsspiele, aber eins haben sie alle gemeinsam: Spaß macht es erst, wenn einer das Spiel kurz erklären kann. Hier kann ich mit meinem Wissen nicht nur aushelfen, sondern auch Tipps geben, welches Spiel wahrscheinlich gut zum Jugendlichen passen würde. Außerhalb des Jugendtreffs wird es privat eher schwierig, da der Jugendtreff vor allem nachmittags bis spät abends geöffnet hat. Dennoch habe ich die Öffnungszeiten so gelegt, dass ich an zwei Tagen unter der Woche und mindestens einmal am Wochenende zum Spielen komme. Insgesamt bin ich also mit drei Spielegruppen in der Woche sehr gut ausgelastet. Dies wird sich allerdings bald ändern, da ich inzwischen zusätzlich auch für die Flüchtlingsarbeit in Warendorf zuständig bin und daher meine Freizeit weniger wird.

3. Sie spielen im Team und treten erfolgreich bei unterschiedlichen Turnieren an: Wer spielt mit Ihnen und hat das Team auch einen Namen?

Turniere, in denen nur ein Spiel gespielt wird, werden im Normalfall auch nur alleine gespielt, außer es handelt sich eben speziell um Team-Spiele, wie z. B. Doppelkopf oder Tichu. Die deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Brettspiel wird, wie der Name schon vermuten lässt, im Team bestehend aus vier aktiven Spielern und bis zu zwei weiteren Ersatzspielern gespielt. Angefangen habe ich vor ca. 6 Jahren mit einem Turnier im Brettspiel Dominion. Mit der Zeit errang ich den 12. Platz in der deutschen Dominion Meisterschaft und hatte auch in anderen Turnieren Erfolg. Es folge noch ein 20. Platz in der deutschen Carcassonne Meisterschaft und einige kleine Qualifikationsrunden, bis ich schließlich 2010 mit drei engen Freunden ein Team bildete, um 2011 bei der regionalen Vorausscheidung zur deutschen Mannschaftsmeisterschaft im Brettspiel anzutreten. Ilja (Statistiker), Andrea (Mathematikerin), Michael (Physiker) und ich (Pädagoge), haben uns den spaßigen Namen „InTeam“ gegeben. Meine beste Freundin Andrea und ihr Mann Ilja sind unsere alten Hasen, die schon immer Brettspiele spielten und auch zuvor schon in einer anderen Mannschaft bei der DM sowie EM teilnahmen, bis sich diese auflöste und sie in Michael und mir Ersatz suchten. Im ersten Jahr 2011 wurden wir 2. in der regionalen Vorausscheidung und konnten glücklicherweise direkt an der DM teilnehmen, die wir leider als 30. verlassen mussten. Im Jahr 2014 hatten wir überraschend unseren großen Durchbruch und wurden deutscher Vizemeister, wodurch wir für die europe masters qualifiziert waren. Da Andrea bei den europe masters verhindert war, gewannen wir mit Robert (Chemiker) als Ersatzspieler ein neues Teammitglied für die EM. Mit ihm gewannen wir dann sogar den 7. Platz in den europe masters. Ohne zu glauben, dass wir an der Spitze bleiben würden, erkämpften wir 2015 den Titel des deutschen Meisters im Mannschaftsbrettspiel und konnten uns auf den 5. Platz der europe masters steigern. Robert gewann dabei sogar alle vier Spiele der europe masters und wurde damit bester Einzelspieler der Meisterschaft!

 Team

In der Mitte oben ist Stefan Molz, der die Fragen beantwortet. Links ist Ilja, rechts steht Michael und unten ist Andrea zu sehen.

 

 

 

 

4. Wenn Sie sich zu viert auf die Deutsche Meisterschaft in Herne vorbereiten oder auf die „europe masters“ – wie viele Stunden spielen Sie während der Woche? Macht das dann immer Spaß oder hat man auch manchmal gar keine Lust?

Das Training ist wie bei anderen Sportarten sehr zeitintensiv und wird üblicherweise mehrmals die Woche durchgeführt. Im Normalfall trainieren wir anderthalb Monate vor der Meisterschaft und treffen uns während dieser Zeit ca. drei Mal die Woche für je vier bis fünf Stunden. Dabei schaffen wir nie alle vier Spiele, sondern müssen uns meist mit zwei bis drei der Spiele begnügen. Grade am Anfang müssen öfter die Regeln erklärt und nachgeschlagen werden. Oft werden die Originalregeln von der Turnierleitung ca. 3 Wochen vor dem Turnier leicht verändert, um diese turniertauglicher zu machen. Solche Änderungen und natürlich die ewige Suche nach der richtigen Strategie sowie deren Umsetzung fordern eben viel Zeit. Auch, wenn man Spiele gern hat, mag man nicht jedes Spiel. Leider gibt es bei jeder Meisterschaft ein Spiel, das die Mehrheit unseres Teams nicht leiden kann. So werden manche Trainingseinheiten wirklich zur Geduldsprobe, bei der wir uns gegenseitig unterstützen müssen, um nicht einfach genervt aufzugeben. Vor allem in den letzten zwei Wochen vor der Meisterschaft bleibt privat viel liegen, um noch das letzte Bisschen aus den Spielen herauszuholen. Dass wir alle nicht inzwischen Singles verärgerter Spielerfrauen sind, haben wir nur unseren aufopferungsvollen Freundinnen/Frauen zu verdanken, bei denen ich mich hiermit auch noch einmal bedanken möchte.

5. Bei den regionalen Vorausscheidungen gibt es Spiele aus folgenden 4 Kategorien: Strategiespiele, Kartenspiele, Familienspiele und Glücksspiele. Haben Sie eine bevorzugte Kategorie?

Auf jeden Fall! Genau wie beim Essen hat jeder seine Vorliebe. Der eine mag deftige Strategiespiele, bei denen über Stunden das eigene Spiel optimiert werden kann, der andere liebt die leichte Kost, die kurzweiligen Spaß verspricht, ohne dabei zu sehr von den netten Geschichten des Alltags der Mitspieler abzulenken. Ich bin bei den Strategiespielen zuhause, am liebsten Stunden lang mit vielen Entscheidungsmöglichkeiten und variantenreichen Möglichkeiten, das Spiel zu beenden und den Sieg davonzutragen. Übersichtliche Regeln, aber komplexe Spielmechanismen lassen mich richtig aufblühen. Je länger das Spiel aber dauert, desto weniger Glück darf es enthalten. Ein kleines bisschen Glück muss jedoch immer enthalten sein, damit nicht jeder zukünftige Zug kleinlich durchgerechnet werden kann. Strategiespiele sind entsprechend meine erste Wahl. Grundsätzlich können mich auch Karten- und Familienspiele begeistern, aber das hängt sehr stark vom ausgewählten Spiel und dem Strategie- sowie Taktikanteil ab. Glücksspiele sind für mich hingegen immer nette Lückenfüller, die schon mal abends als Absacker auf den Tisch kommen, um die Zeit zum nächsten Bus zu überbrücken. Als Turnierkategorie finde ich diese Spielkategorie allerdings völlig sinnlos, da hier per Definition das eigene Können das Spiel kaum beeinflusst. Simples Pech muss dann umso mehr durch die anderen Spiele wieder ausgeglichen werden.

Wie die Punkteverteilung auf Turnieren aussieht, welche Spiele Stefan Molz gar nicht mag und welche Spiele er dafür umso mehr mag erfahrt Ihr am 11.02.

Fortsetzung folgt ….

Beste Grüße

Nadine Reinhold

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2 Kommentare zu “Brettspiel-Fieber

  1. Brettspiel-Fieber, Teil 2 | Leseoase 11. Februar 2016 um 08:34 Reply

    […] 19. Januar gab es den ersten Teil des Interviews mit dem gebürtigen Hildener Stefan Molz, der im Oktober 2015 mit seinem Team bei der […]

  2. […] 19. Januar und am 11. Februar gab es Teil 1 und Teil 2 des langen Interviews mit dem gebürtigen Hildener Stefan Molz, der im Oktober 2015 mit […]

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