Susanne Leuders – Interview mit einer Hildener Autorin

Liebe Leser,

diese Woche habe ich euch ja bereits über die Etenya-Saga von Susanne Leuders berichtet. Heute möchte ich euch die Autorin etwas genauer Vorstellen und sie auch selbst zu Wort kommen lassen.

Frau Leuders wohnt seit 2002 in Hilden und ist hier Grundschullehrerin. Berufsbedingt hat sie mit ihrer Familie zwei Jahre lang in Belgien gelebt und dort die Zeit gefunden, sich ihren Traum vom eigenem Roman zu erfüllen.

Plakat_Susanne Leuders (Mobile)

Was fasziniert Sie am Schreiben?

Leuders: Die Unendlichkeit des Machbaren und die Gegensätzlichkeit zum realen Leben. Wenn ich eine Figur, eine Welt oder eine Szene entwickle, habe ich alle Möglichkeiten, diese zu gestalten und auszustaffieren. Ich habe alles in der Hand und kann in jede nur erdenkliche Richtung gehen. In meinem beruflichen Leben habe ich eine extrem hohe Vorbildfunktion, die mittlerweile so in mir verankert ist, dass ich selbst wochentags um Mitternacht niemals über eine rote Fußgängerampel gehen würde. Durch meine Protagonisten kann ich Dinge tun, die ich in der Realität niemals wagen würde oder die schlichtweg unmöglich sind. Es war sehr faszinierend, sich zu überlegen, wie es wäre, in einem Tierkörper zu stecken, an den Krallen eines gigantischen Adlers durch die Lüfte zu fliegen oder aber sich vorzustellen, mit etwas Unfassbarem, etwas, dass die eigene Weltauffassung aus allen Angeln hebt, in seinem Leben konfrontiert zu werden. Als Autorin kann ich in meinem Kopf einfach alles machen, was ich will. Selbst wenn es ausufert, ist es nicht schlimm. Dann wird es gelöscht.

Darüber hinaus macht es mir wahnsinnig Spaß, mich mit schriftlicher Sprache zu beschäftigen, dieselben Gefühle oder alltägliche Dinge immer wieder anders ausdrücken oder beschreiben zu können, Synonyme zu finden, stilistische Rahmenbedingungen zu setzten und sie dann auch durchzuhalten.

Haben Sie besondere Inspirationsquellen?

Leuders: Das Leben an sich und die Faszination, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, ständig nachvollziehen zu wollen, warum sie so handeln, wie sie es tun. Ich war schon immer eher der Beobachter als der Akteur, nehme kleinste Reaktionen bei meinem Gegenüber wahr und frage mich dann: Warum tut er das jetzt? Das macht sensibel für den Moment. Die Empathie, die sich dadurch entwickelt hat, macht mich neugierig oder lässt mich irritiert zurück. Egal, ob es eine unbedachte Äußerung in einem Gespräch ist, eine Schlagzeile in den Nachrichten oder aber – wie bei Angels Fall (meinem neuesten Roman) – ein Spruch auf einer Schülerarbeit, die im Kunstunterricht entstanden ist. Wenn ich darauf aufmerksam werde, löst es einen bestimmten Knoten in mir und in meinem Kopf spulen sich Szenen ab, die dazu führen können, dass mein nächster Roman daraus entsteht. Es ist also sehr unberechenbar. Diese Quelle kann ich nicht einfach aufsuchen und um eine neue Idee bitten. Sie sucht eher mich auf und dann heim…

Was hat Sie auf die Idee der Etenya-Saga gebracht?

Leuders: Etwa ein Dreivierteljahr bevor ich zu schreiben begann, holte ich Harry Potter und der Stein der Weisen hervor und las ihn zusammen mit meiner damals neunjährigen Tochter. Ein halbes Jahr später waren alle sieben Bände vorgelesen und ich wirklich von Grund auf von der Fantasie und der Sprache in diesem Werk begeistert. Danach fesselte mich die Bis(s)-Reihe, in der ich einerseits die Liebesgeschichte zwischen Bella und Edward unglaublich mitreißend fand und andererseits – genauso wie bei Harry Potter – diese parallele Welt neben dem normalen Alltagsleben. Das fand ich unglaublich faszinierend. Während ich mich nach Joanne K. Rowlings sprachlichem Feuerwerk niemals an die Arbeit gemacht hätte, dachte ich nach Stefanie Meyers Roman: `So kannst du das auch´

Ich wollte eine einfache Teenieliebesgeschichte schreiben, die dann aber durch die Suche nach Lennos Namen und dem anstehenden Weltuntergang am 21.12.2012 völlig aus dem Ruder lief. Meine Grundidee hörte mit der ersten Begegnung zwischen Olivia und Lenno auf und ich brauchte einen Namen für meinen männlichen Protagonisten, der nicht geläufig, aber auch nicht zu fremdartig war. In einer Liste indianischer Namen wurde ich fündig und konnte mich zwischen zwei Namen nicht entscheiden: Lenno oder Yuma. Die Bedeutungen der Namen und der sprachliche Ursprung waren ebenfalls angegeben, sodass ich einige Zeit damit verbrachte, mich mit dieser Liste zu beschäftigen. Währenddessen entwickelte sich in meinem Kopf erst Tenya Nahele (der wertvolle Wald), dann Dena Enola (die Tocho-Stadt) und schließlich ganz Etenya mit ihrer gesamten Bevölkerung. Für die einzelnen Völker habe ich entsprechende Krafttiere der indianischen Mythologie ausgewählt und habe ihnen jeweils eine andere indianische Sprache zugeordnet. Zum Beispiel haben die Tochos hauptsächlich Hopi-Namen, die Honon Miwok-Namen, die Paco Namen der Algonquin und die Tala die der Cheyenne. Onida Kanti ist eine Mischung, weil sie universell ist. Das heißt aber nicht, dass ich irgendeine indianische Sprache beherrsche. Ich habe die Namen einfach so zusammengesetzt, wie es für die Geschichte passte. Zum Beispiel bedeutet Dena Tal und Enola einsam, woraus ich die Tocho-Stadt Dena Enola (einsames Tal) gemacht habe, in dem die Tochos (Berglöwen) leben und unter der erniedrigenden Herrschaft Nukpanas (Teufel) darauf warten, dass die Onida (die Eine, wonach gesucht wurde) Kanti (singt) kommt, die von der alten Weisen Pamuya (Wassermond) Meda (Prophetin) in einer sternlosen Nacht vorhergesagt wurde. Nachdem ich damit begonnen hatte, die Namen derart zusammenzusetzen, wuchs Etenya (Etenia = reich) zu dem heran, was es letztendlich heute ist. Die indianischen Wurzeln haben schließlich das grundsätzliche Setting vorgegeben.

Im richtigen Leben sind Sie Grundschullehrerin. Wie bringen Sie diese Arbeit mit dem Schreiben in Einklang?

Leuders: Grundsätzlich versuche ich, diese beiden Seiten strikt voneinander zu trennen. Jetzt geht mein vierter Roman in den Druck und da bleibt man trotz Kleinverlag nicht ungesehen. Gerade letzterer ist natürlich daran interessiert, dass ich als Autorin und meine Werke bekannt werden. Daher kam auch dieser Zeitungsartikel in der RP zustande, den ich von mir aus niemals angestoßen hätte, um nicht aufzufallen. Nun ist es so und ich suche Wege, alles unter einen Hut zu bekommen.

An allererster Stelle steht natürlich alles Dienstliche. Aber genauso wie alle anderen Menschen, habe ich ein Privatleben, in dem ich dann neben vielem anderen ebenfalls Autorin bin. Wenn andere Menschen fernsehen, schreibe ich mir meine Filme sozusagen selbst. Messen und Schreibworkshops finden grundsätzlich an Wochenenden statt und sind meistens mit kleinen Reisen verbunden, sodass sie ein wenig etwas von einem Kurzurlaub haben. Andere fahren eben zur Ostsee oder Wandern, ich in die Welt der Bücher und Schriftstellerei. Man trifft – losgelöst von seinem Alltag –  viele nette und sehr interessante Menschen und das beflügelt unglaublich. Meine Verlegerin wusste von Anfang an, dass ich hauptberuflich sehr eingebunden bin und ich mich zu bestimmten Zeiten mehr (z.B. in den Ferien) und zu anderen eher weniger (z.B. in Zeugnisschreibphasen, Elternsprechtage, Klassenfahrten) einbringen kann. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich schriftstellerisch wichtige Termine wegen dienstlicher Pflichten absagen musste. Aber das ist dann einfach so. Ich habe gelernt, Prioritäten zu setzen.

Lediglich in den Situationen, in denen meine Protagonisten wirklich schlimme Schimpfwörter benutzen wollen, gerate ich in ein heftiges Dilemma. Aber genauso wie ich den schulischen Dingen eine höhere Priorität einräume, muss ich der Schriftstellerei dann auch einfach mal gerecht werden. Schließlich schreibe ich Romane, die dem Lesealter meiner eigenen Schüler in keinster Weise entsprechen. Allein dadurch ist bereits eine natürliche Grenze zwischen Schule und Schreiberei gesetzt, die ich keinesfalls aufzugeben beabsichtige.

Was ist Ihr aktuelles Projekt?

Leuders: Wir haben gerade mein Debüt im Bereich Jugendthriller abgeschlossen. Der Roman Angels Fall erscheint in einigen Wochen im Verlagshaus el Gato und feiert am letzten Novemberwochenende sozusagen seine Premiere im Rahmen der BuchBerlin 2015.

Neue Ideen habe ich viele und ich denke, sie werden sich alle in Richtung Thriller oder Fantasy für Jugendliche und junge Erwachsene bewegen. Mir schwebt da eine dystopische Mysterygeschichte mit einem Romantacy-Anteil und einem Touch Psychothriller vor, die möglicherweise hier in Hilden verortet ist – sprich: ich habe keine Ahnung

Es könnte eine Fortsetzung von Angels Fall werden oder aber eine Parallelgeschichte zur Etenya Saga, sowie etwas ganz Neues. Ich habe mich innerlich noch gar nicht festgelegt. Nur eines ist sicher: Ich werde schreiben, denn ohne geht es gar nicht mehr.

 

Und sie wird Lesen, am 20.11.2015 um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei. Der Eintritt ist frei.
Liebe Grüße

Stefanie Krüger und Susanne Leuders

 

 

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