Unser Praktikant aus Togo stellt sich vor

Liebe Leser,

immer wieder haben wir Praktikanten im Haus. Diesmal allerdings haben wir einen ganz besonderen Gast. Denn Komi Kokouda ist extra aus dem weit entfernten Lomé in Togo zu uns gekommen, um das bibliothekarische Handwerk zu erlernen. Für uns ist es eine Ehre auf diese Weise das Kulturzentrum in Lomé zu unterstützen. Wir bemühen uns ihm ganz viel Know How mit auf den Weg zu geben.

Wir haben ihm ein paar Fragen zu seiner Person gestellt, die Ihr hier lesen könnt. In einer Fortsetzung wird er dann etwas ausführlicher über das Kulturzentrum und die Bibliothek  berichten.

Komi Kakouda_Blog

Herzlich willkommen in Hilden Komi! Erzähle uns doch ein wenig von Dir.

Ich heiße Komi  Kokouda  und bin in Togo geboren. Ich leite  bis jetzt  die Bibliothek im Kulturzentrum „Koklo ku ato / Der Hahn kräht“ in Lomé.

Nach dem Erlangen meines Abiturs im Jahr 2004, ging ich nach Lomé, um mein Studium an der Universität von Lomé weiterzuführen. Ich habe mich dort für die deutsche Sprache eingeschrieben. Ich wollte unbedingt diese Fremdsprache studieren, um nach meinem Studium in einer Schule oder in Deutschland tätig sein zu können und um für mich und meine Familie sorgen zu können. Lehrer oder auch Journalist  zu werden  wäre mir das Liebste. Alles in Richtung Kultur gefällt mir sehr.

Wie bist Du zum Zentrum Koklo ku ato gekommen?

Im Jahr 2008 habe ich nach meinem Abschluss  bei allen staatlichen Institutionen versucht, einen Arbeitsplatz zu bekommen. Vergeblich habe ich an alle Türen geklopft, doch keine stand offen. Das tat mir sehr weh und ich wollte dringend Lomé verlassen. Da ich arbeitslos war, verbrachte ich viel Zeit in der Bibliothek des Kulturzentrums “Koklo ku ato / Der Hahn kräht“. Dank meines Vormundes habe ich dieses Zentrum in meinem Stadtviertel zwischen 2004 und 2005 entdeckt. Im Jahr 2011 hat das Zentrum mich dann engagiert und bis heute arbeite ich dort als Leiter der Bibliothek. Ich bin sehr glücklich darüber und meine schlechten Gefühle aufgrund der Arbeitslosigkeit sind verschwunden.

Wozu bist Du heute in der Stadtbücherei in Hilden?

Bis jetzt arbeite ich in unserer Bibliothek in Togo, ohne  ein Spezialist zu sein.  Um unsere Pläne zu realisieren,  brauche ich  eine  Ausbildung. Aber es  gibt keine Möglichkeit in Togo. Die Stadtbücherei Hilden, hat mir die Chance für ein Praktikum gegeben. Dafür bin ich dankbar. Mein erster Tag in der Bücherei war toll. Ich habe schon viel gelernt. Dieses Praktikum  öffnet mir alle Türen. Ich kann alle wichtigen Sachen lernen. Die Bereiche Ausleihe, Auskunftsdienst, Katalogisierung, Medienbeschaffung, Veranstaltungsarbeit, Checklisten, technische Medienbearbeitung und das Aussondern von Medien stehen auf dem Programm. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit der Stadtbücherei in Hilden.

 

Was meinst Du, warum verlassen so viele Afrikaner ihre Heimat?

Sehr vielfältig sind die Gründe für die afrikanische Migration: Die politischen Krisen wie der Krieg, die Diktatur und die Diskriminierung, verursachen das Gefühl der Entfremdung. Gleichfalls gibt es die ökonomischen Krisen, mit der starken Armut um sich herum und mit der hohen Arbeitslosigkeit aus Mangel an Infrastruktur, aus Mangel an guter Ausbildung und einer guten ökonomischen Politik. Diese Faktoren vermehren die Lust, in die Fremde zu gehen, weit weg von den unerträglichen Zuständen. Dazu kommt noch ein chronisches Ungleichgewicht zwischen den afrikanischen und den europäischen Staaten. Europa wird durch Reden und Bilder stark idealisiert, so dass die Afrikaner davon nur schwärmen. Aufgrund ihrer unsicheren Zukunft träumt die Jugend von diesen vermeidlichen Eldorados, wo die Freiheit, der Friede, das Wohlbehagen, der Reichtum herrscht und wo es an Arbeitsplätzen nicht mangelt. Das ist der Traum einer gewünschten Existenz, außerhalb aller Aussichtspunkte. Das sind die Gründe, die Millionen Afrikaner dazu drängen, dem Elend und dem Umherirren entkommen zu wollen und die dann später leider auf dem Mittelmeer verhaftet werden oder schlimmstenfalls Europa nie erreichen und ertrinken.

Wie könnte man Deiner Meinung nach das Problem der afrikanischen Landflucht lösen?

Was mich angeht, habe ich, dank des Kulturzentrums „Koklo ku ato / Der Hahn kräht“  das Abenteuer „Migration“ nicht gewagt. Die Initiative des Zentrums in Lomé, mich einzustellen, ist für mich der Ausgleich des staatlichen Mangels und hat mich ermutigt in meiner Heimat zu bleiben. Ich bedanke mich bei den Verantwortlichen des Zentrums „Koklo ku ato / Der Hahn kräht“ und danke auch allen Freiwilligen, die diese Institution unterstützen. Diese Institution beschäftigt sich viel mit der afrikanischen Jugend, hält sie damit in Afrika und gibt ihnen eine Heimat und in Europa werden die Schwierigkeiten gelöst, die afrikanischen Migranten zu verwalten. Aber viel wichtiger ist, dass die Menschen nicht zu Emigranten oder Schiffbrüchigen werden. Es reichen die derzeitigen Verbrechen in Ceuta, Melilla und  Lampedusa.

In seiner Freizeit läuft Komi übrigens sehr gern und er schreibt wundervolle Gedichte in Deutsch, wie zum Beispiel dieses hier:

Nach…

Muss ich allein verlassen

Den Ort sehe ich fern

Die Abfahrt beginne ich, zu hassen

Und plötzlich kommt mein Stern

Wir ziehen froh zu zwei

Sprechend über jenes Glück

Aber träumend die Leute vorbei

Und wie zuhause zurück

Die Strecke endet ohne Sorge

 

Beste Grüße

Karin Neugebauer und Komi Kokouda

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3 Kommentare zu “Unser Praktikant aus Togo stellt sich vor

  1. mediokrefeld 15. September 2015 um 14:28 Reply

    Hi,
    klasse Sache und sehr sympathisches Interview 😉 Daumen hoch….
    Beste Grüße aus Krefeld

    • Karin Neugebauer 15. September 2015 um 14:53 Reply

      Danke schön. Es ist wirklich eine klasse Sache. Wir lernen im Moment mehr als er, glaube ich.

  2. […] Dienstag haben wir Euch unseren Praktikanten Komi Kokouda aus Togo vorgestellt. Wie versprochen folgt hier die Fortsetzung mit einem Bericht über das […]

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