„Was? Das kennst du nicht?“

Liebe Leser,

so heißt ein Artikel in der März-Ausgabe der NEON. Der Artikel beschäftigt sich damit, wie sehr sich der Blick auf „Kultur“ und „Literatur“ in den letzten Jahren durch eine „Fragmentierung des Wissens und der Kultur durch die globale, vernetzte Welt“ verändert hat und stellt fest, dass keiner mehr so genau weiß, was man eigentlich kennen und wissen muss. Früher habe es einen Literaturkanon empfehlenswerter und wichtiger Werke gegeben, der „Allgemeinbildung“ definierte und auf den man sich berufen konnte. Heute gäbe es jedoch unzählige Listen von „Must-Reads“ und „Greatest Books of All Times“.

Auch in Bibliotheken zeichnet sich dieser Trend ab. Allein das Verhältnis „Buch“ zur Anzahl von audiovisuellen Medien hat sich über die Jahre stark gewandelt. Heute nimmt zudem der Online-Bereich mit E-Books und E-Zeitschriften einen großen Platz ein. In den meisten Bibliotheken gibt es im Romanbereich noch den Interessenkreis „Klassiker“, der jene oben erwähnte Literatur aus dem früheren Literaturkanon enthält. Doch der Anteil im Verhältnis zum Gesamtbestand zeigt, dass „Literatur“ und „Kultur“ ein dehnbarer und wandelbarer Begriff geworden sind.

Früher gab es in Bibliotheken eine sog. „Lesezeit“ für die Mitarbeiter, in der sie sich in die aktuelle Literatur einlesen konnten. Bei der Vielfalt und Fülle an Neuerscheinungen ist dies heute nicht mehr möglich. Es hat sich sogar soweit gewandelt, dass heute Bibliothekskunden eigene Medienwünsche abgeben und somit selbst Einfluss auf den Bestand nehmen können. Und da kann es auch schonmal passieren, dass man als Lektor und Bibliotheksmitarbeiter selbst denkt: „Aha, kenne ich ja gar nicht…“.

Aber das ist nicht schlimm. Weisbrod zitiert in seinem Artikel den amerikanischen Physiker und Comiczeichner Munroe, der sagt, dass täglich 10.000 Amerikaner zum ersten Mal von bestimmten Fakten und Empfehlungen hören. Er zieht daraus den Schluss, dass man jedes Mal, wenn man ein Buch, einen Autoren oder einen Film nicht kennt, einer der Glücklichen ist, die die Chance haben, etwas Neues zu entdecken. Damit hat er Recht. Anstatt sich bloßgestellt zu fühlen, etwas nicht zu kennen, sollte man es viel lieber als Chance begreifen.

Beste Grüße

N. Bange

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: