Wozu all der Stress? – Oder: Wie meine Tochter Weihnachten entschleunigte

Liebe Leser,

ich mag die Weihnachtszeit. Und ich mag Weihnachten. Wie es im Dezember in unserer Bibliothek zugeht, hat Sonja Tewes bereits am Dienstag an dieser Stelle berichtet.

Aber auch privat entsteht im Dezember viel Stress. Besonders wenn man Familie und Kinder hat. Dieser ist meist „selbstgemacht“. Eigentlich sollten wir die Weihnachtszeit genießen. Uns am Duft von Mandarinen, Plätzchen und Tannenduft erfreuen. Weihnachtslieder trällern, über die Weihnachtsmärkte schlendern. Die Weihnachtszeit ist eine besinnliche Zeit. Aber viele von uns rasen durch diese Wochen ohne Sinn und Verstand.

Mir ging es viele Jahre so

Ich wollte ein perfektes Weihnachtsfest für meine Familie und mich. Deshalb hetzte ich durch die vollen Geschäfte um grandiose Geschenke zu finden, bastelte und backte mit den Kindern wie eine Irre und feilte am perfekten Menü für die Feiertage. In der Woche vor Heiligabend legte ich mehrere Nachtschichten ein. Kochte den Rotkohl vor, marinierte das Fleisch, bastelte Geschenke für Freunde, rührte unendlich viele Dips und Soßen an, packte Geschenke ein und versteckte sie … und ich putzte die Wohnung, alle Fenster, damit am Weihnachtsabend auch alles glänzte. Der 24. begann dann für mich früh und ich verbrachte ihn meist in der Küche. Meine Kinder ermahnte ich: „Stört mich nicht! Passt doch auf! Sei nicht so ungeduldig!“ Und an meinem Mann nörgelte ich auch: „Wie sieht denn der Baum aus? Steh doch nicht im Weg rum! Du kannst mir ruhig mal helfen!“ Wenn dann das Festmahl verspeist und die Bescherung vorbei war, fielen mir vor Erschöpfung die Augen zu.

Aber dann wurde plötzlich alles anders

… Und das lag an unserem dritten Kind. Meine jüngste Tochter entschied sich ausgerechnet am 24.12. das Licht der Welt zu erblicken. Ein Christkind eben. Ich hielt mein Kind im Arm und fragte mich, wie um alles in der Welt ich nun auch noch an diesem Tag Geburtstag feiern sollte. Die Antwort lieferte mir das Neugeborene gleich selbst. In diesem Jahr gab es kein Festmahl, keine Hektik. Es gab nur ein perfektes, kleines Baby, meine Familie und mich. Und trotzdem war es ein wunderschönes Weihnachtsfest. Das Fest der Geburt. Der Stress, den ich mir an den Feiertagen immer selbst gemacht hatte, erschien mir plötzlich absurd.

Geburtstagskuchentannenbaum

Besinnung und Besinnlichkeit

In diesem Jahr wird mein Christkind neun Jahre alt. Kein einziges Weihnachtsfest war seitdem so wie vorher. Meine Tochter hat ein Recht auf einen anständigen Geburtstag und den bekommt sie auch. Der 24.12. beginnt nun traditionell mit einem Geburtstagsfrühstück. Wir singen, schmausen und es gibt Geschenke. Oft feiern wir auch an diesem Vormittag richtigen Kindergeburtstag. Zu diesem gibt es nie Absagen, denn alle Eltern freuen sich, ihr Kind für ein paar Stunden am Weihnachtsmorgen „loszuwerden“. Die sind ja im Stress. Statt in der Küche zu stehen, spiele ich mit meinen Kindern.

Bis es am Nachmittag Zeit wird für den Gottesdienst. Ab dann ist Weihnachten. Nach der Kirche lesen wir eine Weihnachtsgeschichte, singen und richten das Essen an. Es gibt Raclette oder Fondue. Die Soßen sind überwiegend gekauft, die Zutaten gemeinsam schnell geschnippelt und auf den Tisch gestellt. Und allen schmeckt es. Es folgt die Bescherung. Ich freue mich über die strahlenden Augen meiner Kinder und wir spielen bis in den späten Abend. Ich bin entspannt. Meine Wohnung ist nicht auf Hochglanz poliert, das Essen einfach, aber lecker. Die Plätzchen sind zum Teil gekauft, und der Baum ist schief. Und was soll ich sagen? Keinem fällt es auf…

Ich wünsche Euch von Herzen ein entspanntes Weihnachtsfest.

Beste Grüße,

Karin Neugebauer

 

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4 Kommentare zu “Wozu all der Stress? – Oder: Wie meine Tochter Weihnachten entschleunigte

  1. Rebecca Jansen 11. Dezember 2014 um 20:18 Reply

    Ich will auch ein entschleunigtes Fest

  2. Rebecca Jansen 11. Dezember 2014 um 20:25 Reply

    wie ich in einem anderen Kommentar mal erwähnte: zu dicke Finger und schon wieder die Entertaste erwischt 😉 Es ist mir noch nicht gelungen den Rest der Familie zu überzeugen 😉

  3. Daniela Jatzen 12. Dezember 2014 um 08:15 Reply

    😀 genau so halten wir es auch in unserer Familie, denn auch wir haben ein „Christkind“ dabei. Also in diesem Sinne wünsche ich euch allen ebenfalls ein wunderbares entspanntes und besinnliches Weihnachtsfest.

  4. Karin Neugebauer 12. Dezember 2014 um 11:14 Reply

    Danke für die lieben Kommentare. Ich sehe, ich bin nicht allein. Nur Mut Rebecca Jansen! Der Rest der Familie hat vermutlich auch nicht so viele To-Do’s auf der Liste… einfach mal weniger machen und schauen was passiert. Fröhliche Weihnachten!

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