„Musste es unbedingt ein Buch sein?“ – ein Abend mit Frau Heinrich

Liebe Leser,

„Ich fühl mich ein bisschen wie beim Elternsprechtag. Wird vielleicht auch so.“, waren die ersten Worte von Sabine Heinrich, als sie sich bei ihrer ersten Autorenlesung an den Tisch vor dem Publikum setzte.

Als großer Fan von der 1Live-Moderatorin, im Radio auch bekannt als „Frau Heinrich“, war ich damals super neugierig auf ihren Roman „Sehnsucht ist ein Notfall“. Über den habe ich hier ja schon gebloggt. Und weil mich das Buch ziemlich bewegt hat und die Geschichten vom Autoren selbst gelesen ja meist ganz anders und oft auch besser rüberkommen, war der Besuch der Lesung für mich ein Muss.

Ein bisschen komisch war es schon, zu einer so vertrauten Stimme auf einmal gleichzeitig ein Gesicht vor sich zu sehen. Aber diese anfängliche Irritation hat sich sofort gelegt, da Frau Heinrich uns, wie anfänglich geschrieben, total locker begrüßt hat. Aber ein bisschen aufgeregt war sie, glaube ich, schon. Autorenlesung mit dem eigenen Buch ist ja nicht gleich Radio, was sie schon seit Jahren macht. „Musste es unbedingt ein Buch sein? Konnten Sie nicht eine Schmuck-Kollektion machen?“ wurde Sie auch von der Presse gefragt. Zum Glück hat sie ein Buch geschrieben, finde ich. Und nicht nur ich, sonst wären wohl auch nicht so viele Leute zur Lesung gekommen. Als kleines Dankeschön dafür, oder auch zur Einstimmung auf den Abend, gab es dann Mon Cherie für alle. Von denen hatte Sabine extra vorher eine Palette gekauft, denn Mon Cherie sind die Lieblings-Pralinen der Oma aus dem Buch.

Ob diese Oma von ihrer eigenen beeinflusst wurde, wollten viele von Frau Heinrich wissen. Eigentlich nicht. Nur zu Beginn, als die Oma ihrer Enkelin Eva erzählt, dass sie mit dem Opa Schluss macht. Das Telefongespräch zwischen der Buch-Oma und der fiktiven Enkelin Eva am Silvesterabend hat genauso zwischen Frau Heinrich und ihrer eigenen Oma stattgefunden. Natürlich wurde die vorher um Erlaubnis gefragt und hat mit einem „Na ja Kind, wenn du meinst“ eingewilligt. Als Sabine ihr dann erzählt hat, dass die Oma später nicht mehr so viel mit ihr zu tun hat, war sie dann aber doch ein wenig enttäuscht 😉

Aber Frau Heinrich erfindet natürlich nicht irgendeine Oma, sondern hat sich aus mehreren „echten“ Omas eine zusammengebastelt. Trotz anfänglicher Hemmungen hat sie sich mit vielen älteren Damen zusammen gesetzt und dann einfach drauf losgefragt. „Hätten Sie gerne nochmal einen Partner?“ oder „Flirten Sie noch?“ Davon wurde sogar ein kleiner Film gedreht und bei der Autorenlesung gezeigt. Das Publikum hat natürlich Tränen gelacht und auch geweint, denn die Aussagen der Damen gingen mitten ins Herz!

Auch die lange Reise, die Eva und ihre Oma nach Elba in Italien machen, hat Sabine Heinrich tatsächlich selbst gemacht. Um die Geschehnisse und die örtlichen Beschreibungen so realistisch wie möglich zu machen. Dabei hat sie natürlich auch viel erlebt und gesehen, was nicht in den Roman passte, aber zur Autorenlesung umso mehr. Sabine zeigte uns tolle Bilder aus Italien und erzählt witzige Anekdoten dazu. Da war zum Beispiel Raffaele, ein junger Italiener, der in Elba einen kleinen Antiquitäten-Laden hat. Und der hat es Frau Heinrich so sehr angetan (auch den Damen im Publikum, die ein neckisches „Oooooh“ hervorstießen, als Raffaele auf der Leinwand erschien ;-)), dass sie gar nicht anders konnte, das Gespräch zwischen den beiden im Buch wiederzugeben, in dem dann Eva statt Sabine mit dem schönen Raffaele flirtet. Auf die Frage hin, ob denn jemand aus dem Publikum italienisch kann, meldetet sich ein älterer Mann, der prompt auf die Bühne gewunken wurde, um mit Frau Heinrich das Gespräch wiederzugeben. Aber vorher musste natürlich noch Eierlikör getrunken werden. Auch eine Vorliebe der Oma. Der Herr hat so authentisch gelesen und den Raffaele verkörpert, dass man kaum glauben konnte, dass er nicht der Mann aus dem Buch ist und selbst Sabine Heinrich ganz verlegen wurde. Das hat sie dann aber schnell auf den Eierlikör geschoben 😉

IMG-20140927-WA0000Nach der schönen Lesung gab es natürlich noch Widmungen ins Buch. Und eine kleine Unterhaltung, bei der man noch mehr das Gefühl hatte, diese Frau schon ewig zu kennen. „Schon gelesen?“ fragte Sabine mich als ich ihr mein Buch vorlegte und auf mein Nicken folgte ein leises: „Und? Haste geweint?“ „Ja, besonders am Ende“, gab ich zurück. Und dann habe ich allen Mut zusammen genommen und sie nach einem Foto gefragt. Ohne zu Zögern drückte sie sich an meine linke Seite, natürlich nicht ohne vorher die wartende Schlange hinter mir zu fragen, ob das in Ordnung ist. Ein weiterer Beweis dafür, wie bodenständig und sympathisch sie ist (auch wenn das Foto dem nicht ganz gerecht wird, weil sie natürlich die Augen zu hat ;-)) Aber Sie ist wahnsinnig sympathisch! Und wenn Sie noch zehn Bücher schreiben würde. Oder gar eine Schmuck-Kollektion entwerfen würde. Ihre Autorenlesungen würden immer mehr als „nur“ Lesungen sein. Eher „ganz persönliche Abende mit Frau Heinrich“.

Beste Grüße,

Roxana Wall

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2 Kommentare zu “„Musste es unbedingt ein Buch sein?“ – ein Abend mit Frau Heinrich

  1. Daniela Jatzen 31. Oktober 2014 um 08:07 Reply

    Bis jetzt habe ich das Buch noch nicht gelesen, werde es jetzt auf jeden Fall nachholen, da mich dieser tolle Bericht ganz neugierig gemacht hat.

    • Roxana Wall 31. Oktober 2014 um 15:27 Reply

      Oh, vielen Dank 🙂 Das freut mich sehr, dass das zum Lesen angeregt hat, lohnt sich auch auf jeden Fall! Liebe Grüße aus Hilden

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