100 km in 24 Stunden, Teil 1

Liebe Leser,

ich bin gern zu Fuß unterwegs. Über meine Erfahrungen mit dem Laufen und meinen ersten Halbmarathon habe ich bereits hier berichtet. Aber der Mensch braucht ja stets neue Herausforderungen. Ich gehe in meiner Freizeit gern Wandern. Zufällig stieß ich im Internet auf die  Horizontale Jena. Eine Langstreckenwanderung über 100 km, die in 24 Stunden absolviert wird. Ich fand die Idee zunächst kurios, dann aber spannend als Herausforderung. Ich stellte fest, dass es noch eine ganze Reihe ähnlicher Wanderungen gibt. Leider passte keiner der Termine so richtig oder die Anfahrt war zu aufwendig. Aber die Idee ließ mich nicht mehr los.

Ist das machbar?

Schafft man 100 km in 24 Stunden? Wie ist es solange durchzulaufen? Wie ist es nachts? Wie kann ich das trainieren? Komme ich ohne Schlaf aus? Bei meinem Halbmarathon hatte ich einen klaren Trainingsplan. Aber wie bereite ich mich auf so eine Extremsituation vor? Auf all diese Fragen gibt es natürlich eine Antwort im Internet in diversen Foren. Ich war überrascht wie viele Leute das tatsächlich tun. Also alles halb so wild, oder?

Nicht lange denken – wir machen das jetzt einfach!

Ich beschloss mit einem guten Freund das Abenteuer zu wagen. Was konnte schlimmstenfalls passsieren? Dass wir abbrechen. Im Internet kann man sich unkompliziert eine Strecke selbst zusammenstellen. Auf vorhandenen Wanderwegen sollte es vom Bahnhof Ennepetal nach Olpe gehen. Dort hatten wir ein Zimmer in der Jugendherberge für Sonntag reserviert. Am Montag wollten wir uns mit einem Wellnesstag in der Sauna belohnen. Proviant und Wasservorrat, Stirnlampe und Blasenpflaster eingepackt, Turnschuhe an und los.

Anfang

Wir wanderten an einem Samstagnachmittag los. Wir fuhren mit der Bahn nach Ennepetal, um dort um 16 Uhr zu starten. Am Sonntag um 16 Uhr sollte das Ziel nach 100 km die Jugendherberge Olpe sein. Wir nahmen uns vor, nach jeder Stunde eine 5 bis 10 minütige Pause einzulegen. Wir hatten gelesen, dass eine längere Pause es erheblich erschweren würde anschließend weiterzugehen. Hochmotiviert machten wir uns bei feinstem Sommerwetter auf den Weg. Nach der ersten Stunde war uns gar nicht nach Pause. Wir wanderten vier Stunden am Stück durch. Die ersten 30 km waren einfach nur eine schöne Wanderung. „Wir machen das wirklich!“ Wir hatten einen Umschlag mit Kärtchen dabei. Für jede Stunde eins. Darauf standen Gesprächsthemen oder Spielideen, damit uns nicht langweilig wird. Da wir regelmäßig wandern, war es zunächst noch eine gewohnte Situation. Dann setzte langsam die Dämmerung ein und wir freuten uns auf die Nacht, fürchteten sie zugleich ein bisschen. Die Füße taten nun etwas weh, Erschöpfung setzte ein, aber das konnte ich gut ausblenden, viel zu aufregend war die Situation.

Es wird langsam beschwerlich

Nach 40 km, wir waren nun etwa seit 8 Stunden in Bewegung, war der Spaß nun vorbei. Hatte ich eben noch gedacht: „Mir geht es wunderbar“, meldeten sich die ersten Schmerzen. Plötzlich tat alles weh. Ich bekam Blasen an den Füßen, die Beine taten weh, der Rücken, meine Arme, einfach alles. Und wir hatten nicht einmal die Hälfte geschafft. Immerhin funktionierten unsere Stirnlampen prima und leuchteten uns zuverlässig den Weg. Unser Weg führte uns um Mitternacht durch einen Campingplatz an einem Stausee. Dort machten wir eine kleine Pause. Später in der Nacht kamen wir in eine kleine Ortschaft. Disko-Besucher waren auf dem Heimweg und schauten uns Wanderern irritiert nach.

Bergfest

Nach knapp 11 Stunden, um drei Uhr nachts, feierten wir Bergfest. 50 km lagen hinter uns. Müde war ich nicht, aber die Erschöpfung und die Schmerzen waren überall zu spüren. Da war Freude und Stolz einerseits, Furcht vor der zweiten Hälfte andererseits. Die Konzentration ließ nach. Es war von nun an klar, dass der schöne Teil der Wanderung hinter uns lag. Von nun an würde es nur noch weh tun. Immer häufiger ging mir der Gedanke „Was mach ich hier eigentlich???! Und warum, verdammt?“ durch den Kopf. Wir waren viel zu naiv und blauäugig an dieses Experiment herangegangen.

50km

Halten wir wirklich bis zum Ende durch? Wo können wir unseren fast erschöpften Wasservorrat auffüllen? Und wann geht endlich die Sonne wieder auf? Wann gibt es Kaffee???

Die Antwort auf diese Fragen und mehr, erfahrt ihr demnächst in der Fortsetzung meines Berichtes. Hier in der Leseoase.

Beste Grüße

Karin Neugebauer

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3 Kommentare zu “100 km in 24 Stunden, Teil 1

  1. Rebecca Jansen 16. September 2014 um 11:12 Reply

    Was für ein Wahnsinn. Aber ich hab es eh nicht mit dem Wandern. Aber ich bin gespannt wie es weitergeht!

  2. Karin Neugebauer 16. September 2014 um 11:16 Reply

    Ja, das war wirklich Wahnsinn und Leichtsinn… Dennoch eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Teil 2 folgt übrigens am 27.9.

  3. 100 Km in 24 Stunden Teil 2 | Leseoase 27. September 2014 um 08:33 Reply

    […] Anfang meiner 100 km-Wanderung  habe ich vor kurzem geschildert. Heute geht es weiter. Es ist drei Uhr nachts, wir feiern Bergfest […]

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