Mein erster Halbmarathon

Liebe Leser,

so richtig sportlich war ich eigentlich noch nie. Sport empfand ich als anstrengend, unangenehm und zeitraubend. Klar, Sport ist gesund, also habe ich hier mal einen Gymnastikkurs besucht oder bin ein bisschen Rad gefahren, aber so richtig Feuer gefangen habe ich bei nichts und der innere Schweinehund war oft stärker als ich. Irgendwann fing ich dann mal zu joggen an, das machte mir tatsächlich Spaß und so wurde es zur Gewohnheit regelmäßig ein halbes Stündchen vor der Arbeit meine Runde zu drehen. Wie es oft im Leben läuft, es kamen zwei Kinder und die Familie und Job nahmen mich so in Anspruch, dass ich kaum noch etwas für mich tat. Ich wurde schlapper und auch immer dicker. Und dann schliesslich bekam ich die Quittung nach ein paar Jahren: einen Bandscheibenvorfall!

Nichts ging mehr

Nichts ging mehr, weder sitzen noch stehen oder liegen ging schmerzfrei. Relativ gut ging es mir lediglich wenn ich in Bewegung war. Und so fing ich an dem Schmerz davonzulaufen. Ich ging vielmehr, denn mehr war nicht möglich anfangs. Ich ging täglich stundenlang spazieren um schmerzfrei zu sein. Aus spazieren wurde ein flotter Walkingschritt. Und es wurde täglich besser. Ich marschierte immer weiter, genoss die Natur, wurde immer fitter, die Schmerzen vergingen und ich nahm nur durch die reine Bewegung 15 kg ab. Etwa ein Jahr später, als alles verheilt war begann ich vorsichtig zu laufen. Nach einem Trainingsplan. Eine Minute laufen, eine Minute gehen, 10  mal im Wechsel. Danach war ich ordentlich erschöpft. Ich erreichte mein erstes Ziel: 30 Minuten durchlaufen können. Als dieses Ziel erreicht war, stagnierte ich eine ganze Weile auf diesem Niveau. Der Schweinehund schlich sich immer wieder ein und es gab immer  wieder Phasen  wo ich wenig oder gar nicht zum Laufen kam. Ich ärgerte mich über mich selbst. Warum war ich nicht in der Lage bei der Sache zu bleiben? Laufen macht mir doch eigentlich Spaß!

Feuer fangen

Im September 2013 beschloss ich dann wieder regelmäßig dreimal die Woche zu laufen und langsam die Ausdauer zu steigern. Eine Stunde am Stück durchlaufen war mein Ziel. Ich war hochmotiviert und ich stellte sehr schnell Verbesserungen fest. Auf einmal hatte ich Ehrgeiz. Ich hatte Feuer gefangen. Bei einem Gespräch mit Freunden sagte ich dann einmal, dass ich gern einen Halbmarathon laufen würde. Das erschien mir allerdings in ganz weiter Ferne. Es fand sich ein Freund der auch gern dieses Ziel angehen wollte und so beschlossen wir uns zu einem Lauf anzumelden und gelegentlich gemeinsam zu trainieren. Wir liefen dann in entgegengesetzter Richtung durch den Park oder um den See, da er viel schneller war als ich. Aber ich wurde schneller, legte immer mehr Kilometer zurück und war zugleich immer weniger erschöpft. Laufen machte mich glücklich.

Training nach Plan

grosseslaufbuch

Ich lieh mir „Das große Laufbuch“ von Herbert Steffny aus der Bücherei.   ISBN 978-3517086422 . Sechs Wochen vor dem Wettkampf begann ich mit einem Halbmarathon-Trainingsplan viermal die Woche zu laufen. Ziel: Einfach durchhalten und ankommen. Ich lief und lief, egal ob ich müde war, ob die Sonne brannte oder es in Strömen regnete, wenn ich keine Zeit hatte am Tage dann lief ich abends spät im Dunkeln… ich verpasste kein Training. Nur nicht aufgeben.

Halbmarathon in Duisburg

Und dann am 1.6.2014 war es soweit. Rhein-Ruhr-Marathon in Duisburg. Wir waren drei Läufer, und unsere Kinder und besten Freunde waren mit uns gekommen um uns die Daumen zu drücken und uns am Straßenrand anzufeuern. Ich war unglaublich aufgeregt. Ich hatte keinerlei Wettkampferfahrung und wusste nicht was mich erwartet.

Nach der Verabschiedung von Freunden und Familie ging es an den Start. Optimistisch stellte ich mich neben den Zugläufern mit der Zielzeit 2:30 auf. Für den Halbmarathon gilt eine maximale Zeit von 2:45h. Der Startschuss fiel und ich setzte mich mit den vielen anderen Läufern in Bewegung. Ich zwang mich vor Euphorie nicht zu schnell zu laufen. Goldene Regel: was du am Anfang zu schnell läufst gibt dir am Ende keiner zurück. Die Stimmung war unbeschreiblch. Wildfremde Menschen jubelten uns am Straßenrand zu, Kinder reichten uns an den Streckenposten Becher mit Wasser, Musikgruppen trommelten um die Wette und ich flog an Ihnen vorbei. Die Zeit verging schnell, weil ich soviel zu gucken hatte, und es entstanden nette kleine Gespräche mit anderen Läufern. Ich fand meinen Rhytmus und lief und lief. Die letzten 3 Kilometer zog ich das Tempo an, denn ich merkte ich habe noch genug Reserven. War der ursprüngliche Plan einfach nur anzukommen, so wollte ich nun auch ein gutes Ergebnis. Ich wußte ich werde es schaffen, und das machte mich so stolz und glücklich, dass ich so grinsen musste beim Laufen, dass mein Gesicht schmerzte.

Im Ziel

Medaille

Und dann war plötzlich vor mir der Zieleinlauf in die Arena, und ich wusste gleich ist es vorbei und du hast es geschafft! Ich sah die Ziellinie, die große Uhr mit einer Zeitangabe die unmöglich stimmen konnte, und meine jubelnde Familie und Freunde. Ich hatte es geschafft! Halbmarathon-Finisher mit einer Zeit von 2 Stunden und 26 Minuten. Selten in meinem Leben hab ich mich so glücklich gefühlt. Ich bekam die Medaille und ein Shirt und dann begann das große Umarmen. Meine beiden Freunde waren schon länger im Ziel und wir feierten dieses Ereignis alle zusammen bei einem leckeren Frühstück. Das Grinsen verschwand an diesem Tag nicht mehr aus meinem Gesicht. Und wenn ich an diesen Tag denke kommt es sofort zurück… 🙂

Halbmarathon

Ich weiß jetzt, ich kann alles schaffen. Entscheidend ist der erste Schritt.

Beste Grüße

Karin Neugebauer

 

 

 

 

 

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2 Kommentare zu “Mein erster Halbmarathon

  1. 100 km in 24 Stunden, Teil 1 | Leseoase 16. September 2014 um 08:32 Reply

    […] bin gern zu Fuß unterwegs. Über meine Erfahrungen mit dem Laufen und meinen ersten Halbmarathon habe ich bereits hier berichtet. Aber der Mensch braucht ja stets neue Herausforderungen. Ich gehe […]

  2. […] nicht nur pfiffige Ideen (vielen Dank an dieser Stelle 🙂 ), sondern auch ihre Vorliebe fürs Laufen, was Ihr hier hier schon mehrmals nachlesen […]

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