3…2…1…Game on!

Liebe Leser!

Gaming und ich passten bisher ungefähr so gut zusammen wie Wasser und Öl. Und genauso ist es doch auch mit Gaming und Bibliotheken. Oder?

IMG-20130828-WA0000Seit einiger Zeit erleben wir einen großen Umbruch in unserer Bibliotheksarbeit. Web 2.0 und digitale Medien gehören mittlerweile fast so selbstverständlich dazu wie die Bücher im Regal. Und genauso soll in Zukunft der Bereich Gaming der feste Bestandteil einer Bibliothek sein. Mit unserem Wii-U Turnier sowie zahlreichen ausleihbaren Konsolenspielen sind wir bereits auf dem Weg dahin. Und welches Event könnte uns auf diesem Weg weiter bringen als die gamescom in Köln? Deshalb wollte ich in diesem Jahr unbedingt zur größten Spielemesse Europas, um zum einen alle wichtigen Informationen für uns als Bücherei mitzunehmen, und zum anderen diese unglaubliche Gaming Kultur kennen zulernen und auf mich wirken zulassen.

Und dann war es soweit. Voller Neugier und Spannung, gemischt mit einer großen Ungewissheit, machte ich mich auf den Weg zum Messegelände. Wie wahrscheinlich viele von euch hatte auch ich schon immer dieses typische Bild von einem „Gamer“ im Kopf. Jemand der mit 3-Tage-Bart und tiefen Ringen unter den Augen stundenlang in einen Bildschirm starrt und sich und anderen immer verspricht:“Nur noch ein Level“, aber einfach nicht aufhören kann zu „zocken“ und für den schlussendlich die Welt untergeht, wenn das Game dann im wahrsten Sinne „over“ ist. Dieses Bild habe ich an diesem Tag jedoch verdrängt, denn ich wollte die Gaming-Kultur und die Menschen, die sie leben, ganz unvoreingenommen auf mich zukommen lassen und so ein neues, „wahres“ Bild in meinem Kopf entstehen lassen.

DSC_0047Umso lustiger war es dann, als ich tatsächlich jemanden vor einer Konsole hocken sehen habe, der genau meiner Vorstellung entsprach. Mit großen Augen und offenem Mund war er völlig versunken in seinem Spiel und in seiner eigenen kleinen Welt. So tief, dass er rein gar nichts von dem wahrgenommen hat, was um ihn herum passierte (und das war eine Menge ;-)). In diesem Moment hab ich feststellen können, dass ich doch nicht ganz falsch gelegen habe mit meiner Vorstellung. Was jetzt aber nicht heißt, dass ich alle in dieselbe Schublade stecke. Ich konnte mich schließlich davon überzeugen, wie die „Gamer“ wirklich drauf sind. Gleich in der ersten Halle, die ich angelaufen habe, waren viele Felder mit Spielen aufgebaut, die die Besucher „aktiv“ spielen konnte. Wie z. B. „Headis“, dass wie Tischtennis mit einem Ball und über eine Platte gespielt wird. Nur dass bei „Headis“ der Ball so groß ist wie ein Volleyball und dieser mit dem Kopf auf die andere Seite zum Gegenspieler befördert wird. Witzige Idee! (Ob das für den Kopf so gut ist, ist eine andere Frage ;-)) Dann gab es noch einen Parcour mit ferngesteuerten Autos und Pacman als Brettspiel. Das fand ich besonders toll. Es muss also nicht immer was mit Stecker und Bildschirm zu tun haben. Auch die „Retro Halle“, in der viele alte  Konsolen und Spiele präsentiert wurden, gefiel mir sehr. Ich fand es super, dass nicht nur die Neuheiten, sondern auch alles, was früher Gaming war und heute noch ist, gefeiert wurde. Denn ohne diese Vorreiter gäbe es ja auch die ganzen neuen Konsolen und Spiele nicht. Aber vor allem habe ich gemerkt, dass ich gar nicht so Gaming unerfahren bin, wie ich dachte. Ich wurde daran erinnert, wie ich selber damals vor dem Gameboy gesessen habe und so cool sein wollte wie mein großer Bruder…um mich dann darüber schwarz zu ärgern, dass SuperMario den Endgegner auch zum dreißigsten Mal nicht besiegen konnte und ich ein bestimmtes Level immer wieder von vorne anfangen musste. Irgendwann konnte ich mich aber damit abfinden, denn dann kam das für mich beste Spiel überhaupt: Die Sims. Klar, dass auf der gamescom ein kindliches Jauchzen aus mir herausbrach, als ich den Stand von „Die Sims 4“ gesehen hab. Am liebsten wäre ich sofort zurück nach Hause gefahren, um mich vor den PC zu setzen, einen Sim zu erstellen und ihn in ein wunderschönes Haus einziehen zu lassen. Spätestens da war klar: ich bin infiziert 😉 Und das hat nur eine gamescom lang gedauert 😉DSC_0011 Ganz nachvollziehen konnte ich die Leute, die stundenlang Schlange stehen, um den Trailer eines neuen Spiels zu sehen, zwar immer noch nicht, aber ich war umso mehr beeindruckt von ihrer Überzeugung, die sie dazu treibt, so etwas zu tun. Die Begeisterung, die sie für bestimmte Spiele hegen, geht so weit, dass sie sich aufwändige Kostüme nähen, von Kopf bis Fuß bemalen und farbige Kontaktlinsen tragen, um so auszusehen, wie ihre ganz persönlichen Helden. Diese sogenannten Cosplayer finden immer mehr Anhänger und sind mittlerweile so populär, dass es sogar Cosplay Kostümmeisterschaften gibt. Zu Recht! Einige sahen so fantastisch aus, dass ich nicht nur einmal ein „Wow“ hervorbrachte, wenn mir einer von ihnen über den Weg lief.

Neben den ganzen Gaming-Ständen, gab es aber auch viele Info Stände von Organisationen, die sich mit Jugendschutz und Medienpädagogik befassen. Denn die Altersbeschränkung und die Jugendschutzbestimmungen haben im Gaming Bereich eine tragende Rolle. Das wusste ich schon vorher. Aber dass die Veranstalter und die Leute, die hinter den Games stehen, so viel Wert darauf legen, hätte ich ehrlich gesagt nicht gedacht. Man kam nur mit entsprechendem Altersbändchen in abgesperrte Bereiche und die Bändchen bekam man nur mit Personalausweis. Ohne Ausnahme! Sogar an den einzelnen Gaming Ständen wurde extrem darauf geachtet, zum Beispiel durch Bildschirme, auf denen nur etwas zu sehen ist, wenn man direkt davor steht, die aber sonst ausgeschaltet zu sein scheinen, wenn man von der Seite darauf blickt.

Trotz aller Neugier und Begeisterung, war ich dann doch ziemlich platt, nachdem ich alles gesehen hatte. So viele Menschen, ein unglaublicher Geräuschpegel und prägende Eindrücke. Das musste ich erst einmal verarbeiten. Aber mir war auch sofort klar: nächstes Jahr bin ich wieder dabei! Auch wenn ich mich nicht von allem so begeistern lassen konnte wie manch anderer, war ich total beeindruckt von der Gaming Welt und all ihren Bewohnern. Gaming ist eine Leidenschaft, die völlig gleichzusetzen ist mit Leidenschaften wie die der Musik oder Literatur. Die Bibliothek ist ein Ort, an dem man diese Leidenschaften ausleben und mit anderen teilen kann. Nicht nur deswegen gehört Gaming genauso in eine Bibliothek wie Bücher und CDs.

Level complete.

Beste Grüße,

Roxana Wall

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3 Kommentare zu “3…2…1…Game on!

  1. Rebecca Jansen 29. August 2013 um 08:55 Reply

    Ich war letztes Jahr das erste Mal für meine Bibliothek da und das Virus „Gamescom“ hat mich auch erwischt ;-). Leider konnte ich dieses Mal nicht hin und das wo ich nur 20 Minuten S-Bahn von der Halle weg wohne. Aber dafür sitze ich nun in Cuxhaven am Strand und lasse mir die Sonne gefallen. Vielleicht sehen wir uns ja alle nächstes Jahr in Köln zur nächsten Gamescom.
    LG Rebecca Jansen

    • Wa 29. August 2013 um 10:51 Reply

      Strand und Sonne klingt mindestens genauso verlockend! Nächstes Jahr sind bestimmt noch ein paar mehr von unseren Kolleginnen dabei, dann sieht man sich bestimmt.
      Liebe Grüße und einen schönen Urlaub noch!
      Roxana Wall

  2. Level 2 | Leseoase 23. August 2014 um 08:45 Reply

    […] dabei ist es schon das zweite mal, dass ich Europas größte Computerspiel-Messe besucht habe (hier lest ihr den Bericht aus dem letzten Jahr). Trotzdem oder gerade deswegen war ich wieder total […]

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