100 Jahre Stadtbücherei Hilden – Teil 10

Was wurde wann wie viel gelesen?

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Die 1910er und 1920er

Unterhaltende Literatur ist in den Anfangsjahren der Stadtbücherei gefragt. Belehrende Schriften weniger. Die gebildeten Schichten haben ihre eigenen Lesezirkel.
Erst Heinrich Strangmeier schafft belehrende Bücher und Nachschlagewerke an. 1929 bringt er beispielsweise drei gut gegliederte Kataloge über Kunst und Literatur, Naturwissenschaften und Leibesübungen heraus, die – so Beier in seiner Rede zum 50-jährigen Bestehen der Bücherei – von Kennern als Musterbeispiele literarischen Schaffens bezeichnet werden.
1923: 2.039 Bände, 2486 Ausleihen
1928: 5.474 Bände, 20.836 Ausleihen

Teil 10 - Bestand 1913

 

Die 1930er und 1940er (1933 bis 1942)

Bei den belehrenden Schriften werden die erdkundlichen und geschichtlichen Werke am meisten gelesen, sie bilden im Jahr 1930 mit 309 Bänden mehr als die Hälfte der Ausleihe dieser Schriften. Es folgen Lebensbeschreibungen (67), Werke der Literaturwissenschaft und Kunst (44), der Natur- (28) und Sozialwissenschaften (23). In Abständen folgen die Themen Weltanschauung, Erziehungs- und Bildungswesen, Technik, Haus- und Landwirtschaft.
Das Bild ändert sich, denn „auch die Arbeit der Stadtbücherei litt unter dieser Ungunst der Zeitverhältnisse” heißt es in einem Rückblick auf die Jahre 1933 bis 1942.
Sach- und Fachschriftentum werden weniger ausgeliehen. Für den starken Rückgang werden zwei Gründe genannt – „die starke Inanspruchnahme weiterer Volksschichten durch das politische
Zeitgeschehen und das Verschwinden der Arbeitslosigkeit …”.
Besonders auffällig ist, dass weniger Männer kommen. Mit dem Aufbau der Jugendabteilung steigt die Zahl der Nutzer wieder an.
1933: 7.918 Bände, 19.879 Ausleihen

Teil 10 - 1945 Statistik

 

Die 1950er

Dass „Hildens größter Bücherschrank up to date” ist, findet am 18. Juli 1959 die Rheinische Post: Bücher wie „Der seidene Schuh” von Paul Claudel, der erste Band der Dürrenmattschen Komödie, die in dieser Zeit häufig im Fernsehen und Rundfunk gebracht wird, und der Bericht über die Südpol-Expedition von Fuchs/Hillary werden angeschafft. Unter den Neuerwerbungen in dieser Zeit sind auch die ersten Bände über die Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts von Golo Mann, die Autobiographie des von den Polen hingerichteten KZ-Kommandanten von Auschwitz, Rudolf Höß, und das Buch „Nürnberger Prozeß” von J. J. Heydecker und J. Leeb sowie Max Borns „Physik im Wandel meiner Zeit”.
1953: 14.803 Bände, 76.503 Ausleihen

Hildener Zeitung vom 1./2. August 1953:
„Mit einem Prozentsatz von 11,7 von Hundert als eingetragene Leser
steht die Stadtbücherei Hilden mit an der Spitze Westdeutschlands.”

Die 1960er

Die deutsche Geschichte interessiert die Hildener in der Mitte der 60er Jahre: Zwei Bände der „Großen Illustrierten Weltgeschichte” sowie weitere Geschichtswerke über die damals „jüngste Vergangenheit”, die deutsche Teilung, werden zum Beispiel angeschafft.
Auch Biographien großer oder auch umstrittener Deutscher wie General Beck, Hindenburg, Ossietzky, Generalfeldmarschall Paulus und Hermann Ehlers können in der Stadtbücherei ausgeliehen werden. Neu aufgenommen werden Romane und Erzählungen, die das Leben der Menschen in den Ostblockstaaten sowie das Schicksal der Juden erzählen. Im Jahr 1964 ragt hervor: „Mein Name sei Gantenbein” von Max Frisch.
1963: 26.892 Bände, 87.584 Ausleihen

Teil 10 - Büchereiausweis

Die 1970er

Bestsellerautoren wie Mary McCarthy („Ein Sohn der neuen Welt”), Frederick Forsyth („Der Schakal”) aber auch Hans Magnus Enzenberger („Der kurze Sommer der Anarchie”), Günter Grass („Aus dem Tagebuch einer Schnecke”) und Peter Handke („Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms”) halten 1973 Einzug in die Regale der Stadtbücherei Hilden. Fremdsprachige Autoren wie Truman Capote, Chesterton, Orwell finden ebenso wie 20 polnische Autoren im Originaltext ihren Platz.
Politische Bücher wie Ceausescu („Rumänien auf dem Weg des Sozialismus”), Bondi/Bullock („Russland gestern und heute”) oder Maurer („Lateinamerika – Eine politische Länderkunde”) gehören zu den Neuanschaffungen.
Was in der 70ern noch angesagt ist, verrät die Stadtbücherei regelmäßig in der Rheinischen Post. Dort empfiehlt sie in einer Serie Bücher, darunter Max Gerstenberger: „Astronomie des Alltags”, Klaus Mehnert: „Jugend im Zeitbruch. Woher – wohin?”, Ellen Bromfield-Geld: „Paradies auf dem Vulkan”, Kathleen Conlon: „Die jungen Sullivans”.
Tipps hin, Tipps her: Am liebsten gelesen wird 1977 leichte Kost von Eugenie Marlitt und Hedwig Courths-Mahler sowie Sachliteratur.
1973: 41.004 Bücher und Co. , 138.960 Ausleihen

Die 1980er

Jugendliche lieben Anfang der 80er Jahre Enid Blyton, „TKKG” von Stefan Wolf und die „Drei Fragezeichen”. Dass Fernsehen zum Lesen animieren kann, beweist die Nachfrage nach Geschichten der „Augsburger Puppenkiste”. Michael Endes „Jim Knopf”, Max Kruses „Urmel aus dem Eis” oder Otfried Preußlers „Räuber Hotzenplotz” werden oft ausgeliehen. Ein Renner ist auch „Pumuckl”. In Hilden nicht mehr angeboten werden, wegen „absoluter Weltfremdheit”, Bücher wie „Pucki”, „Trotzkopf” und „Nesthäkchen”.
1983: 69.254 Bücher und Co., 237.759 Ausleihen

1983 wurden trotz Proteste Bücherei-Gebühren von 10 bzw. 5 Mark eingeführt. In diesem Jahr meldeten sich 833 Leser neu an – und damit 46 Prozent weniger als im Vergleich zum Vorjahr. 5.147 Bürger und damit 9,5 Prozent der Hildener Bevölkerung waren Ende 1983 eingetragene Leser der Stadtbücherei. 1982 betrug der Anteil 14,4 Prozent. In den Jahren darauf trat keine „Besserung” ein: 1984 gab es 9,7, 1985 9,4 Prozent eingetragene Leser.

Die 1990er

Hilden liest, was Anfang der 90er Jahre in Deutschland gelesen wird. John Grisham liegt in der Gunst der Leser mit seinen Büchern „Die Akte” und „Die Firma” sehr weit oben. Auch Rosamunde Pilcher ist beliebt. „Die Muschelsucher” und „Wilder Thymian” heißen ihre aktuellen Werke dieser Zeit. „Der Schamane” von Noah Gordon und „Auch wenn ich lache, muss ich weinen” von Johannes Mario Simmel werden oft ausgeliehen. Bei den Sachbüchern greifen die Hildener zu „Nieten in Nadelstreifen” von Günter Ogger, „Sorge dich nicht, lebe!” von Dale Carnegie und „Die Fünf ,Tibeter’” von Peter Kelder.
1993: 80.000 Bücher und Co., 158.725 Ausleihen

2003

„Harry Potter” ist der Held des neuen Jahrtausends. Joanne K. Rowlings Bücher liegen nicht nur in den allgemeinen Bestseller-Listen ganz weit oben, sondern sie werden auch von den Hildener Nutzern der Stadtbücherei verschlungen. 2003 gehört „Harry Potter und der Orden des Phoenix” zu den beliebtesten Büchern. „Der Schatten des Windes” von Carlos Ruiz Zafón und „Vor dem Frost” von Henning Mankell zählen ebenfalls zur Lektüre der Hildener. Bei den Sachbüchern hat es den Bürgern Michael Moore angetan. Sein „Stupid White Men” sowie „Querschüsse” zählen zu den am häufigsten ausgeliehenen Büchern. Auch beliebt „Achtung! Vorurteile” von Peter Ustinov, „Simplify your life” von Werner Tiki Küstenmacher und Lothar J. Seiwert und „Manieren” von Asfa-Wossen Asserate.
2003: 77.925 Bücher und Co., 344.470 Ausleihen

2011

Eine klare Sache: Hilden liebt Unterhaltung. Renner im Jahr 2011 sind Romane wie „Bevor der Abend kommt” von Joy Fielding, „Die Nürburg-Papiere” von Jaques Berndorf, „Flammenbrut” von Simon Beckett und „Eine unbeliebte Frau” von Nele Neuhaus. Klarer Favorit bei den Sachbüchern ist Jan-Uwe Rogges „Das neue Kinder brauchen Grenzen”. Beliebt ist auch Literatur mit Bewerbungstipps oder „Nähen mit Cath Kidston”.
„Tante Inge haut ab” von Dora Heldt, ein Buch in Großdruckbuchstaben für die älteren Leser, wird häufig ausgeliehen.
Es sind nicht nur Bücher, die fast 100 Jahre nach Eröffnung der Bücherei ausgeliehen werden, sondern vermehrt andere Medien. Die CD-Rom „Harry Potter und der Gefangene von Askaban” oder die DVDs von Stargeiger David Garrett kommen an. In fast allen Sparten ist die bei Jugendlichen beliebte Twilight-Saga („Bis(s) zum…”) Thema. Nicht wegzudenken sind Medien rund um „Star Wars”. 2011 ist aber auch „Lokales” beliebt: Detlef Rechas „Hildens Radtourenheft Nr. 2” wird oft ausgeliehen.
2011: 64.032 Bücher und Co., 330.793 Ausleihen

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Die Broschüre wurde von Christina Görtz erstellt und ist seit März auch in der Stadtbücherei erhältlich. Die Fotos wurden freundlicher Weise vom Stadtarchiv zur Verfügung gestellt.

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