100 Jahre Stadtbücherei Hilden – Teil 6

42 Jahre erlebte Büchereigeschichte

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„Haben Sie einen schönen Roman?”
Eine Frage, die Herta Hoppe oft in ihrem Leben gehört hat. Damals, als sie in der Stadtbücherei gearbeitet hat. Damals, als  es die Bücher an einer Theke gab – und die Leser sich von den Mitarbeitern der Bücherei haben beraten lassen.
„Ich hatte einen guten Instinkt dafür, was die Leute lesen wollten”, erinnert sich Herta Hoppe.
1920 ist sie geboren. 1938 fing sie in der Bücherei an.
„Der Krieg brach aus, und Heinrich Strangmeier, der Leiter der Bücherei, wurde in ein Kriegsamt versetzt”, erzählt sie. Strangmeier fragte, ob sie, die interessierte Leserin, es sich vorstellen könne zu helfen. Konnte sie. Sie kam. Und blieb. Bis 1980.

Herta Hoppe und der Hildener SchriftstellerMatthias Ludwig Schroeder bei einem Ausflug in der Elb.

Herta Hoppe und der Hildener Schriftsteller
Matthias Ludwig Schroeder bei einem Ausflug in der Elb.

„Ich war schnell. Ich war interessiert. Am Anfang musste ich alles alleine machen”, erzählt Herta Hoppe. Bei 9.000 Bänden, damals numerisch ausgewiesen, eine große Herausforderung für die junge Frau.
„Wir hatten ja keine Konkurrenz. Fernseher gab es kaum”, so Herta Hoppe. Im Krieg, so erinnert sie sich, fragten die meisten nach einem schönen Roman. Sie weiß noch, was in diesen Jahren gerne gelesen wurde: Gustav Freytag beispielsweise. Und Ludwig Ganghofer. Sie erinnert sich gut an diese Zeit. Auch an das alltägliche Leid. Da waren die zwei Frauen, zwei Nutzerinnen der Bücherei: Sie kamen und erzählten von ihren gefallenen Söhnen.
„Das war schlimm”, sagt Herta Hoppe. Und nach dem Krieg? Für aktuelle Bücher sei lange kein Geld da gewesen.
20 Heftchen in Zeitungsformat und in Pappe eingebunden war das, was an Neuigkeiten ausgeliehen wurde. Die schlechten Jahre vergingen. Mehr Personal kam. Und Herta Hoppe wuchs in den Beruf hinein. Hauptsächlich war sie mit dem Katalogisieren beschäftigt.
„Mühsam habe ich mir die Büchereihandschrift mit Hilfe eines Buches selbst beigebracht”, so Hoppe.

Mitte 1950er | Zum Katalogisieren wurde früher die Büchereihandschriftgenutzt. Herta Hoppe brachte sie sich selbst bei.

Mitte 1950er | Zum Katalogisieren wurde früher die Büchereihandschrift genutzt. Herta Hoppe brachte sie sich selbst bei.

 

Gerne erinnert sie sich an die zwei, drei Jahre, die sie in der Zweigestelle Süd beschäftigt war.
„Da bin ich gerne gewesen. Da war ich selbstständig”, sagt sie.
„Die Arbeit in der Bücherei hat mein Leben bereichert, die Bücherei hat mich geprägt”, sagt Herta Hoppe heute. Ihre Lieblingsbücher hat sie mehrmals gelesen: Theodor Fontanes Effie Briest und Thomas Manns Buddenbrocks.
„Später aber auch gerne mal einen Krimi von Henning Mankell”, sagt sie. Heute machen ihre Augen nicht mehr mit. Die Bücherei gehört trotzdem noch zu ihrem Leben. Kontakte zu ehemaligen Mitarbeiterinnen werden gepflegt.

Juni 2012 | Herta Hoppe mit Birgit Halfkann, seit 1982stellvertretende Leiterin der Stadtbücherei.

Juni 2012 | Herta Hoppe mit Birgit Halfkann, seit 1982 stellvertretende Leiterin der Stadtbücherei.

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Die Broschüre wurde von Christina Görtz erstellt und ist seit März auch in der Stadtbücherei erhältlich.
Die Fotos wurden freundlicher Weise vom Stadtarchiv zur Verfügung gestellt.

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