100 Jahre Stadtbücherei Hilden – Teil 5

Ausleihe in alarmfreier Zeit

.Die Bücherei während des Krieges am Laufen zu halten, erforderte einige Anstrengungen. Sie war nicht nur personell unzureichend besetzt – Heinrich Strangmeier war zwischenzeitlich in ein Kriegsamt versetzt worden, mit Herta Hoppe kümmerte sich eine junge Büchereigehilfin um die Ausleihe – , und es gab ab 1942 kaum noch Bücher zu kaufen.
Auch die Beheizung war  in den letzten Kriegsjahren unbefriedigend. Weil ein Fliegeralarm den anderen jagte, kamen meist alle Leser auf einen Schlag – eben in den wenigen alarmfreien Zeiten.
Dann war da noch der Abend des 2. Novembers 1944, als eine Fliegerbombe auf das der Stadtbücherei gegenüberliegende Haus des Tierarztes Dr. Erfmann niederging. Scheiben der Bücherei zersplitterten. Lampen zertrümmerten. Die Eingangstür wurde beschädigt. Ein Bücherschrank kippte um. Putz fiel auf das Büchermagazin. Nachdem Tür und Fenster mit Pappe vernagelt waren, öffnete die Bücherei am Nachmittag des selben Tages wieder.
Der Fliegerangriff, der Derendorf galt, hatte Auswirkungen bis zum 14. Dezember: Die Gasfernversorgung versagte. Ein elektrischer 1.000-Watt-Ofen erwärmte die Räume auf rund 15 Grad.
Wenige Wochen später fielen Bomben auf Benrath und Reisholz. Dieses Mal fielen der Lichtstrom und das Wasser aus. Die Bücherei schloss für einen Tag. Dass schon im Herbst bei der Stadtverwaltung um Bereitstellung einer Notbeleuchtung in Form von Petroleum- oder elektrischen Taschenlampen gebeten wurde, sich aber nichts tat, machte diesen Zustand für die Mitarbeiter umso ärgerlicher.

Sechs der von Strangmeier geretteten Bücher sind in der Stadtbücherei ausgestellt.

Sechs der von Strangmeier geretteten Bücher sind in der Stadtbücherei ausgestellt.

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Und nach dem Krieg … ?

„Wer noch in der glücklichen Lage ist, Bücher zu besitzen, überlege doch einmal, ob er sich nicht von dem einen oder
anderen Buch trennen kann, um es der Stadtbücherei zu stiften oder zu verkaufen. Mit einem guten Buch, das Sie der Stadtbücherei geben, können sie hundert Menschen ein paar schöne Stunden bereiten.”
Mit einem Schreiben, das unter anderem diesen Satz beinhaltete, richtete sich die Stadtbücherei im Juli 1946 an ihre Leser. Neue Bücher gab es kaum, die alten waren zu einem großen Teil zerlesen. Schon im Februar 1946 brachte dieser Umstand Neuerungen mit sich. Jeder Leser erhielt bei einer Ausleihe in der Regel nur zwei Bände. Vorbestellkarten wurden eingeführt.

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22 Seiten lang war die Liste, die im Sommer 1946 die Literatur mit nazistischem und militaristischem Inhalt der Stadtbücherei auswies. Auf Geheiß der britischen Militärregierung wurden die Schriften, die bis dahin noch nicht als Altpapier in einer Papiermühle entsorgt worden waren, in einem versiegelten Raum in der Stadtbücherei untergebracht. Im Februar 1948, als diese Bücher – inzwischen im Archiv untergebracht – zur „Absendung” bereit gemacht wurden, fiel auf, dass zwölf Bücher fehlten. Es waren Bildwerke mit Kriegs- und Soldatenmotiven. Acht brachte der damalige Hausmeister zurück, ein weiteres war falsch einsortiert worden. Über den Verbleib der letzten drei liegen keine weiteren Informationen vor.

Verordnung Nr. 48

Verordnung Nr. 48

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Die Broschüre wurde von Christina Görtz erstellt und ist seit März auch in der Stadtbücherei erhältlich.
Die Fotos wurden freundlicher Weise vom Stadtarchiv zur Verfügung gestellt.

 

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