Bei uns im Interview: Herr Pfarrer Spiegel (Pfarrer in der JVA Düsseldorf)

Am 28.09.2012 war Herr Pfarrer Spiegel bei uns und hielt einen Vortrag zum Thema: „Eingeschlossen – ausgeschlossen!? – Aus dem Alltag eines Gefängnisseelsorgers“.

Außerdem beantwortete er uns auch einige Fragen im Interview.

Stadtbücherei Hilden: Seit wann arbeiten Sie als Pfarrer in der JVA Düsseldorf?

Herr Pfarrer Spiegel: Seit Anfang 1984.

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Stadtbücherei Hilden:

Was unterscheidet die Arbeit als Pfarrer in der JVA zu der Arbeit als Pfarrer in einer Gemeinde/Stadt?

Herr Pfarrer Spiegel:

Ich bin in der Gefängnisseelsorge durch die Regeln von Sicherheit und Ordnung  in der Anstalt eingeschränkt. Die räumliche Grenze des Arbeitsbereiches in der Anstalt ist die Gefängnismauer. Ich habe unter den Inhaftierten ausschließlich mit Menschen zu tun, deren Leben von oft unvorstellbar großen Problemen geprägt ist. Darunter sind viele psychisch auffällige, kranke oder behinderte Menschen. Der größte Teil leidet unter irgendeiner Abhängigkeit.

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Stadtbücherei Hilden: Welche Aufgaben haben Sie als Pfarrer in der JVA?

Herr Pfarrer Spiegel:

Grundsätzlich habe ich keine anderen Aufgaben als ein Pfarrer in der Gemeinde „draußen“. Mein Arbeitsfeld bezieht sich auf Inhaftierte, deren Angehörige, Haftentlassene  und das Personal.

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Stadtbücherei Hilden:

Welche religiösen Angebote gibt es für die Inhaftierten und inwieweit werden sie bei der Gestaltung mit einbezogen?

Herr Pfarrer Spiegel:

Soweit es sinnvoll und notwendig (hier: Um die Not zu wenden) ist, spende ich Sakramente, dies für Haftentlassene und das Personal und deren Angehörige wenn gewünscht auch außerhalb. Es gibt regelmäßig in unterschiedlicher Gestaltung an Sonn- und Feiertagen und in der Woche abends Gottesdienste. Ich biete eine Gesprächsgruppe an, die sich mit der Gestaltung des Alltagslebens aus dem Glauben beschäftigt. Ich organisiere einen Kirchenchor von Inhaftierten, der von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin geleitet wird. Es gibt vielfältige Kontakt zu fremdsprachigen Seelsorgern, deren Gruppen ich mit Hilfe des Personals der JVA organisiere. Ich führe auch hin und wieder kulturelle Veranstaltungen durch. Bei all dem, was ich tue, werden Inhaftierte soweit möglich und sinnvoll mit einbezogen.

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Stadtbücherei Hilden:

Kommen die Inhaftierten auf Sie zu (z.B. sie bitten um ein Gespräch) oder gehen Sie grundsätzlich am Anfang auf die Inhaftieren zu und stellen ihnen Ihre Hilfe zur Verfügung?

Herr Pfarrer Spiegel:

Bei ca. 800 Inhaftierten mit einem Durchlauf von mehreren tausend pro Jahr ist es nur selten möglich, auf Inhaftierte von mir aus zuzugehen. Die Inhaftierten wissen von unseren Angeboten durch schriftliche Bekanntmachungen und mehr noch durch andere Inhaftierte. Sie melden sich per schriftlichem Antrag. Ich bin auch immer dankbar für Hinweise anderer Inhaftierter oder des Personals.

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Stadtbücherei Hilden:

Gibt es teilweise Probleme bei der Arbeit mit den Inhaftierten und wenn ja welche Probleme treten häufiger auf?

Herr Pfarrer Spiegel: Ich habe keine besonderen Probleme bei der Arbeit mit den Inhaftierten.

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Stadtbücherei Hilden:

Gab es schon besondere Erlebnisse in der Arbeit mit den Inhaftierten? Vielleicht schildern Sie uns ein Erlebnis?

Herr Pfarrer Spiegel:

Vielleicht ist manches, das für mich alltäglich ist, für andere Menschen etwas Besonderes,….oder umgekehrt. Besonders hat mich vor Jahren beeindruckt, was mir ein Inhaftierter erzählte. Er sagte: „Ich war in der Freistunde auf dem Hof und drehte mir meine letzte Zigarette für die nächsten drei Wochen. Dann erst würde ich wieder Einkauf haben. Da kam einer zu mir und sagte: Haste mal ne Drehung? Ich habe kurz überlegt und diese letzte Zigarette in der Mitte geteilt und ihm die Hälfte gegeben. Sie werden es kaum glauben, das war die beste Zigarette meines Lebens!“

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Stadtbücherei Hilden:

Hatten Sie schon einmal Angst um Ihr Leben? Gab es schon einmal gefährliche Situationen in Ihrer Arbeit?

Herr Pfarrer Spiegel:

Ja, aber nicht im Gefängnis. Im Gefängnis hatte ich noch nie Angst. Und ich habe mir auch vorgenommen: Sollte ich dort jemals Angst bekommen, werde ich meinen Dienst sofort beenden.

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Stadtbücherei Hilden:

Wieviele Inhaftierte nehmen das Angebot wahr? Wurden es in den  vergangenen Jahren mehr oder weniger Personen?

Herr Pfarrer Spiegel:

Ich führe keine Statistik über die Zahlen. Ich bemerke nur, daß die  Lebensprobleme der Inhaftierten unverändert groß und viele total vereinsamt sind. Ich bin nicht in der Lage, mit allen Inhaftierten, die sich bei mir melden, ausführlich zu sprechen.

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