Mein Praktikum im Stadtarchiv – Teil 2

In einem Archiv ist der Bestand zwar zur Nutzung, nicht aber zur Ausleihe gedacht. Zumindest nicht in erster Linie. Ein Großteil des Archivbestandes besteht aus Akten, die im täglichen Arbeitsablauf der Verwaltung nicht mehr benötigt werden. Dennoch kann es vorkommen, dass ein Sachbearbeiter noch einmal Einsicht in eine Akte braucht, die bereits ans Archiv abgegeben wurde. In diesem Fall kann sie ausgeliehen werden. Selbstverbuchung und Leihfristen oder Mahnungen wie in der Bücherei gibt es allerdings nicht.

Während die Bücherei an jedem Öffnungstag viele Besucher hat, gibt es im Archiv weitaus weniger Kunden, die dafür aber oft sehr spezielle Anliegen und einen hohen Beratungsbedarf haben. Oft handelt es sich um Ahnenforscher, die auf der Suche nach ihren Vorfahren sind und sich rückwärts von Generation zu Generation hangeln. Je weiter sie sich dabei von der Gegenwart entfernen, desto schwieriger wird es, verlässliche Informationen zu finden. Das Hildener Stadtarchiv beispielsweise hat viel Zeit und Mühe darin investiert, alte Kirchenbücher als Informationsquelle über Taufen, Hochzeiten und Beisetzungen aufzubereiten. Diese Angaben sind für Ahnenforscher sehr hilfreich.
Aber auch Journalisten fragen häufig im Archiv nach Material, zum Beispiel nach alten Fotografien oder bestimmten Daten für ihre Zeitungsartikel und Reportagen.

Überhaupt ist das Aufbereiten von Informationen eine sehr wichtige Tätigkeit im Archiv. Denn was nützt es, alte Akten, Kirchenbücher und Fotos aufzubewahren, wenn man die enthaltenen Informationen nicht nutzen kann? Daher sind die Mitarbeiter des Stadtarchivs Hilden schon lange bemüht, den Archivbestand zu digitalisieren und so die Nutzung zu erleichtern. Dies ist jedoch ein langwieriges Projekt.
Doch geht es im Archiv selbstverständlich nicht nur um die Informationen sondern auch um die Medien an sich. Während es in der Bücherei hauptsächlich Medien gibt, die grundsätzlich ersetzbar sind und ein ständiger Wechsel herrscht, weil ältere Sachen aussortiert und dafür Neue angeschafft werden, besteht der Medienbestand eines Archivs in erster Linie aus Originalen und Einzelstücken, die unersetzbar sind. Während der Bestand einer Bibliothek sich an den vorhandenen Platz anpasst, muss sich das Archivgebäude an den vorhandenen und noch zu erwartenden Bestand anpassen.

Archivgebäude

In diesem Gebäude befindet sich u.a. das Hildener Stadtarchiv. Ihr ahnt ja nicht, wie weitläufig die unterirdischen Lagerräume sind.

Um Archivgut zu lagern, benötigt man besondere Voraussetzungen. Die Räume müssen besonders klimatisiert sein, um dem Zerfall des Papiers entgegenzuwirken. Und selbstverständlich müssen alle rostenden Teile entfernt werden. Das nennt sich „Entmetallisieren“ und bedeutet im Klartext, dass sich jemand hinsetzt und sämtliche Heft- und Büroklammern sorgfältig entfernt und durch Plastikklammern ersetzt.
Das klingt jetzt erst mal mühsam (was es auch durchaus ist, ich will ja nicht lügen), aber die Akten und Dokumente, die ich währenddessen zu sehen bekam, waren durchaus spannend.

Um beim Entmetallisieren nicht den Überblick zu verlieren und alles in der richtigen Reihenfolge zu bewahren, braucht man ein gutes Gedächtnis… oder hilfreiche Notizzettel.

Zu genau darf ich deren Inhalt hier allerdings nicht beschreiben.
Während das große Thema Datenschutz in der Stadtbücherei in erster Linie den sorgfältigen und verantwortungsvollen Umgang mit den Kundendaten meint, ist es im Archiv wichtig, die Daten aus dem Archivbestand zu schützen. Wie bereits erwähnt, arbeitet man im Archiv sehr oft mit Verwaltungsakten, die mitunter sehr sensible Daten über Personen enthalten.
Es gibt ganz genau gesetzlich geregelte Sperrfristen für die verschiedenen Akten und Urkunden, an die sich jedes Archiv penibel halten muss.

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