Was ist ein Philosophisches Café?

Gastbeitrag von Dr. Uta-D. Rose

„Gerecht ist, wenn alle dasgleiche bekommen.“ „Gleich ist aber nicht gleich gerecht.“  „Und dann lohnt sich doch Leistung gar nicht.“ „Ich fühle mich als Frau ungerecht behandelt.“ So hört es sich in etwa an, wenn im Philosophie-Café über Gerechtigkeit diskutiert wird. Wie aber kommt es zu solchen Diskussionen und was ist überhaupt ein Philosophisches Café?

Die Ur-Idee dahinter ist das öffentliche Streitgespräch auf der Agora, dem Marktplatz im antiken Griechenland. Dort diskutierte Sokrates mit Bürgern über allgemeine und besondere Fragen  – über die Tapferkeit, das gute Leben oder über Erziehung. Die Neubelebung dieser Idee wird allgemein Marc Sautet zugeschrieben, der ab 1992 in Paris damit begonnen hat, in Cafés mit Gästen zu diskutieren. Vor Sautet gab es bereits in Gelsenkirchen ab September 1989 Philosophie-Cafés, geleitet von der Philosophin Marit Rullmann und der Schauspielerin Erika Kaldemorgen. Danach sind in vielen Städten Philosophische Cafés entstanden, so auch in Hilden.

Philosophische Cafés sind offene Gesprächsrunden für interessierte Laien. Sie dienen dazu, philosophischen Fragen eine neue Öffentlichkeit zu verschaffen. Hier wird ein Thema nicht abstrakt diskutiert, sondern verständlich mit Bezug zum eigenen Denken und Leben. Das Philosophie-Café reagiert auf das wachsende Bedürfnis nach Orientierung zu aktuellen Themen des Zeitgeists oder zu immer wieder aufkommenden existentiellen Fragen.

In den meisten Philosophischen Cafés berät man zu Beginn, über welches Thema man denn sprechen wolle. Bei mir läuft das Philosophische Café etwas anders ab: ich gebe ein Thema oder eine Fragestellung vor, so weiß jede/r, worauf man sich einlässt. In einem kurzen Referat liefere ich philosophische Hintergründe zur Bedeutung des Themas oder des Begriffs und gebe einen Überblick über die Entwicklungsgeschichte. Danach leite ich zum Gespräch miteinander über, denn im Mittelpunkt stehen Diskussion und Gespräch. Am Ende steht der Versuch, die zahlreichen Perspektiven zu bündeln, mögliche Ergebnisse und gewonnene Anregungen festzuhalten. Das ist je nach Vielfalt der eingebrachten Perspektiven oder der Lebhaftigkeit um das Thema manchmal schwierig.

Philosophiert wird ja über „Gott und die Welt“. Konkret diskutiert wird z.B. über die Lüge, übers Gewissen, die Werte oder über Fragen wie „Verlernen wir das Schenken?“ Anfang des Jahres 2012 gab es im gut besuchten Hildener Philo-Café eine sehr ernste und tiefgehende Diskussion zu Organspende und Hirntodkriterium unter der Fragestellung „Wann ist der Mensch tot?“ Sehr lebhaft und kontrovers ging es zu, als über die Meinung diskutiert wurde mit der Fragestellung „Ich hab’s nicht so gemeint!“ Ab Herbst 2012 geht es um die Zeit, um Ethik und die guten Vorsätze fürs neue Jahr.

Foto Dr. Rose

Nach Hilden bin ich erstmals im Juni 2009 gekommen, als für eine Veranstaltung, die schon terminiert war, noch kein Dozent gefunden war. Seit dem habe ich 14 Mal das Philosophische Café durchgeführt.

Mit Veranstaltungen zu philosophischen Themen (Vorträge, Seminare, Philosophie-Cafés) bin ich bereits seit 1997 „unterwegs“. Ich komme aus Düsseldorf, lebe aber seit vielen Jahren in Solingen. Dort leite ich seit Ende 2000 das Philosophie-Café in der Stadtbibliothek, wo bisher knapp 80 verschiedene Themen diskutiert wurden. Es gab dort einen Besucherrekord von über 100 Teilnehmern, als es einmal mit einem Gastdozenten um „Fragen an Buddha“ ging.

Mein theoretischer Hintergrund ist das Studium von Philosophie (Hauptfach), Pädagogik und Politikwissenschaft mit anschließender Promotion im Fach Philosophie an der Uni Wuppertal. Meine praktische Tätigkeit aus diesem Hintergrund erstreckt sich neben den genannten Veranstaltungen auch aufs gelegentliche Philosophieren mit Kindern und auf Philosophische Lebensberatung (Neuorientierung, Selbstwertgefühl, Verarbeitung von Verlusten, Trauerreden u.v.a.m.). Meine Tätigkeit hat mich nicht nur in verschiedene Städte in Nordrhein-Westfalens gebracht, sondern auch an manche internationale Tagungsorte der Philosophie (Südfrankreich, Kolumbien). Und manchmal mache ich „verrückte Events“: So 2010 einen Philosophy Slam (Ableger des Poetry Slams) und demnächst philosophiere ich „im Schaufenster“ jeweils zum Welttag der Philosophie.

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