Die Kunst des Verhörens

Dass man sich mal verhört, das passiert früher oder später jedem.
Dass dabei mitunter neue, spannende, kuriose Sätze und Wörter oder gar Gestalten entstehen, das weiß jeder, der schon mal vom „Weißen Neger Wumbaba“ gehört hat. Für alle, denen er noch unbekannt ist, kurz eine Information: „Der weiße Neger Wumbaba“ entstand durch einen verhörten Liedtext.
Auf ihn aufmerksam wurde der deutsche Schriftsteller und Journalist Axel Hacke als er nach einer Lesung von einem Zuhörer angesprochen wurde. Hacke hatte einen Text über das Verhören von Liedtexten zum Besten gegeben und daraufhintrat Herr P. aus München auf ihn zu und erzählte ihm, wie er als Kind das Gute-Nacht-Lied „Der Mond ist aufgegangen“ falsch gehört habe und statt „weißem Nebel wunderbar“ aus den Wiesen plötzlich der „weiße Neger Wumbaba“ gestiegen sei.
Axel Hackes Interesse war geweckt und fortan begann er, jede Menge Verhörer aller Art zu sammeln. Mit dem Material, dass ihm zugeschickt wurde, hat er bereits drei Bücher über die Kunst des Verhörens gefüllt.

Solche Verhörer bringen uns zum Lachen, weil sie uns unsere eigene Fehlbarkeit zeigen, ohne uns dafür zu tadeln, denn was beim Verhören entsteht, ist nicht selten witziger und fantastischer als das Original. „Der weiße Neger Wumbaba“ ist nur eins von vielen Beispielen.
Auch Agathe Bauer kann davon ein Lied singen.
Diese Dame stammt aus dem Song The Power“ von SNAP!, genauer, aus der Zeile „I’ve got the power„.
Überhaupt wimmelt es auf youtube.com nur so von lustigen (oder manchmal auch weniger lustigen) Videos, in denen es um falsch gehörte Liedtexte geht.

Einer meiner Favoriten ist dieser knuffige Verhörer:

Genau das habe ich auch gehört, als das Lied ganz neu im Radio lief. Die Vorstellung eines tobenden Hamsters am Fenster ist einfach zu niedlich.

Man kann also auch deutsche Liedtexte gewaltig falsch verstehen.
So kursiert auch heute noch in meiner Familie das Lied vom „bitteren Froschmann„. Dieser finstere Geselle, der es durchaus an Skurrilität mit Wumbaba aufnehmen kann, stammt aus dem Sankt-Martins-Lied, Ihr kennt es bestimmt, „Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind…
Da sagt doch der arme Mann, der nur mit Lumpen bekleidet im Schnee sitzt zu Sankt Martin:
Oh, helft mir doch in meiner Not, sonst ist der bittere Froschmann tot!“.

Aber Verhörer passieren natürlich nicht nur bei Liedern.
Während einer Teambesprechung über das Projekt „Lernort Bibliothek“ fiel der schöne Satz: „Unsere Bücherei soll ein Lernort werden.
Daraufhin die erstaunte Gegenfrage: „Was? Die Bücherei soll ein Lärmort werden?
Glücklicherweise ließ sich dieses Missverständnis schnell ausräumen. Aber das Wort „Lärmort“ ist geblieben, auch wenn die Bücherei das ganz sicher nicht werden soll. 😉

Soviel von meiner Seite zu Verhörern aller Art.
Jetzt seid Ihr gefragt. Gibt es auch für Euch Lieder, bei denen Ihr etwas ganz anderes hört, als eigentlich gesungen wird? Kennt Ihr wunderliche Gestalten, die aus Verhörern entstanden sind?
Und noch eine Frage: In einem weiteren Blogbeitrag würde ich gern über eine andere Art der falschen Wahrnehmung schreiben, nämlich das Verlesen. Habt Ihr lustige Verleser, von denen Ihr berichten könnt?

Ich freue mich auf Eure Kommentare!

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3 Kommentare zu “Die Kunst des Verhörens

  1. Barbara Funda 27. Juni 2012 um 12:15 Reply

    Hallo,
    meine Töchter erzählten mir von einem neuen Buch. Ich war überrascht über den merkwürdigen Titel „Atem ist faul“. Prustend vor Lachen schrieben meine Töchter den Titel auf: „Artemis Fowl“.

  2. Kitiamara 11. August 2012 um 00:49 Reply

    Verhörer fällt mir spontan keiner ein, aber ich hatte einmal einen wunderbaren Verleser, der mir auch beim zweiten Mal noch nicht klar wurde.
    Ich las: „Er saß auf einer Stirn und drehte mir sein Gehirn zu.“
    Ich fragte mich, wie er das machte… und vor allem: Warum??
    Irgendwann sah ich dann doch die richtigen Buchstaben:
    „Er saß auf einem Stein und dreht mir sein Gesicht zu.“

    Ergab auch vielmehr Sinn (im Kontext) 😀

  3. Fu 11. August 2012 um 08:56 Reply

    Vielen Dank für die Verleser und Verhörer! Ich finde die sehr lustig!

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